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t.i.m.o. Ist hier öfters
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Verfasst am: 25.03.2006 - 19:29 Titel: Potentielles Tutorial: SENDEPEGEL |
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Wer von Euch kennt das nicht:
Man hört eine Sendung mit U-Musik, dazwischen auf einmal Stille. Ach neee.... man dreht lauter und stellt fest, daß da doch einer quatscht und was ansagt. Aha, denkt man sich, der hat sein Mikro zu leise. Man dreht etwas lauter und BOAOAAAAAAHHH!! fliegen einem mit dem nächsten Titel die Boxen um die Ohren.
Oder eine Sendung mit E-Musik. Eine leise fitschelnde Geige säuselt verliebt vor sich hin, beschliesst den letzten Takt und dann BRÜLLT einem der Mod um die Ohren. Da hat wohl jemand...
Ihr wißt alle was ich meine.
PEGEL sind ein schwieriges Thema, aber es gibt Ansätze, die jedem klar sein sollten.
Worum es geht ist, daß die Leute die Angst vor Begriffen wie Dezibel (dB) verlieren, ohne gleich alles ganz genau nehmen zu wollen; oder zu denken, daß Pegel das "ein und alles" sind. Und auch zu erkennen, daß die meisten softwaregestützten Pegelmesser zur Beurteilung kaum bis gar nicht taugen. Es ist mir daher wichtiger, daß jeder anfängt, sich beim prof. Radio abzuhören, wie die das mit den Pegeln machen, und wie man das anschließend selber hinkriegt. Und das, ohne sich zu sehr auf die grün-gelbe Flackerei von LED-Ketten zu verlassen (auch wenn die untenstehende Beschreibung *zunächst* den gegenteiligen Eindruck macht, nicht verzagen!).
In einem ersten Schritt ein paar grundlegende Aussagen:
1. Dezibel (dB) ist ein Verhältnismaß. Es beschreibt den *Vergleich* zwischen zwei Größen gleicher Einheit, also z.B. zweier Lautstärken oder Pegel untereinander. Zwei Lautstärken sind gleich, wenn das Verhältnismaß zwischen beiden Lautstärken 0dB (-null-) beträgt. Zwei Pegel sind gleich, wenn das Verhältnismaß zwischen beiden Pegeln 0dB (-null-) beträgt.
2. Ohne die ganze Theorie zu erklären, merke man sich, daß eine Änderung um +/-6dB rechnerisch eine Verdopplung bzw. Halbierung der Lautstärke bedeutet. Für die Hörerfahrung gilt etwa +/-10dB. Das hängt damit zusammen, wie das menschliche Ohr arbeitet. Ein Signal B, das um +6dB lauter ist als ein Signal A, ist also rechnerisch schon "doppelt so laut". In der Realität wird es allerdings noch nicht als "doppelt so laut" empfunden.
3. Es gibt viele Definitionen, die einen gefragten Pegel (z.B. das aktuell betrachtete Sendematerial) gegenüber einem festen Bezugspunkt bezeichnen, z.B. dBm, dBu, dBFS, dBqs, db...
Für *digitale* Übertragungen ist ein Verhältnismaß für Pegel ganz entscheidend: dBFS (dezibel full scale). Dabei bezeichnen 0.0 dBFS (-null-) die mathematisch *maximale* Aussteuerung (digitales Audio arbeitet ja bekanntlich mit Zahlen). Kleinere Lautstärken werden deshalb mit negativen dB-Zahlen angegeben. Ein Spitzenpegel von -6dBFS bedeutet also, daß man es theoretisch noch doppelt so laut machen kann, bevor es ernsthafte Schwierigkeiten gibt. Warum man das nicht ausnutzen sollte? Gleich dazu mehr...
4. Ich hab oben fiese Unterscheidungen gemacht zwischen "Pegel" und "Lautstärke". Pegel sind technisch messbar. Interessant sind meist Spitzenpegel, denn die sind kritisch (Grund siehe Punkt 3). Lautstärke aber versucht die Beschreibung der Wirkung auf den Menschen. "Versucht" deshalb, weil es nicht wirklich gelingt - jeder Mensch hört und empfindet leicht anders. Die Profis behelfen sich, indem immer wieder mit Testpersonen Versuchsreihen durchgeführt und die Ergebnisse gemittelt werden. Warum nun der Unterschied zu Pegeln? Gleich...
5. Wer in Physik aufgepaßt hat, kennt den Wechselstrom. Der Effektivwert (Wirkwert, sozusagen die Lautstärke) ist stets kleiner als die Maximalamplitude. Da ja Amplitudenwerte zwischen null und dem Maximalwert pendeln. Was hat das mit Musik und Sprache zu tun? Schaut Euch eine Pegelanzeige (egal welche) an. Bei Sprache wird sie deutlich hin und her zappeln. Es gibt Plosivlaute und Zischlaute, die den Pegel arg in die Höhe treiben, Vokale sehen da ziemlich schwach aus. Trotzdem wirkt die Sprache leise gegenüber der Musik. Schaut Euch dann das mit der Musik an. Vor allem Jugend- und "Gute Laune"-Sender komprimieren das Musikmaterial stark, d.h. laute und leise Stellen werden eng "zusammengerückt". (Für die Ungeduldigen: Das macht ein Audiokompressor.) Die Anzeige wird weit weniger rumzappeln. Obwohl die Spitzenpegel weit niedriger liegen können als bei Sprache, wird man die Musik um einiges lauter (dichter, kompakter) empfinden. Bei wirklich stark komprimierten Radiosendern kann man sehen, daß die Anzeige nahezu stehenbleibt. Eine Diskussion, ob das noch ein Hörgenuß ist, sei hier außen vor.
6. Jetzt von der Theorie zu einem üblichen Problem: Wenn der Durchschnittswert bei Sprache niedriger liegt als bei Musik, dann steuert man sie eben höher aus! Damit beim Zuhörer die unangenehmen Lautstärkewechsel geringer werden, und er die Sendung als etwas Ganzes, Rundes empfindet. Aber halt: Die Spitzenpegel bei Sprache sind doch schon so hoch, und übersteuern wollen wir ja nicht! Also erster *genereller* Tipp (Sprache und U-Musik):
Bei Podcast und Internetradio ist man gut beraten, zunächst die Sprache (Mikrofone) so auszupegeln, daß die höchsten Pegel (Spitzenpegel) im sicheren Bereich bleiben. Bei digitaler Übertragung also: die höchsten "LEDs", meist rot gefärbt, sollten aus bleiben.
Danach regelt man die Musik. Entsprechend also niedriger. Und nicht davon beunruhigen lassen, daß nun die Spitzenpegel durchaus *einiges* niedriger sind als bei Sprache (Empfehlung der deutschen Rundfunkanstalten: -4 bis -8 dB). Wichtig ist: Ihr müsst nicht stets mit maximalem Pegel senden (genau das wäre falsch). Maxime ist: Ihr stellt ein gesundes Verhältnis *zwischen* Musik und Moderation ein, und achtet nur peinlich darauf, daß es insgesamt keine Übersteuerungen gibt.
Die Absolutlautstärke hingegen passt der Zuhörer auf der Empfangsseite an! Das macht der sowieso nach seinen Wünschen. Der will nur nicht ständig nachregeln müssen, weil ihr eure Pegel nicht im Griff habt. Und entsprechend zufrieden und entspannt wird er sich dem Content widmen können.
Und wer nun gar keine Pegelanzeigen hat? Pegelanzeigen sind sowieso nur eine optische Hilfe, nicht das Maß aller Dinge. Stellt die Pegel untereinander nach "gefühlter Lautstärke" ein und beachtet dabei trotzdem obige Reihenfolge. Lasst Euch von Zuhörern und Freunden bestätigen, daß es nicht zu Übersteuerungen kommt und euer Schlagabtausch zwischen Mucke und Moderation ausgewogen erscheint. Wie immer gilt: Erfahrung macht den Meister, laßt Euch auf dem Weg dorthin nicht entmutigen, sondern ermuntern!
Bei E-Musik und Moderation ist das alles etwas schwieriger. Leises Geigengesäusel gegen Pauke, Posaune oder Orgel, sag ich nur. Hier macht Ihr die Anfangsaussteuerung nach der Musik, *nicht* nach der Moderation. Weil man bei E-Musik oft noch mehr Dynamik hat als in der Sprache. Schwieriger ist es deshalb, wenn man an den Bolero denkt. Anfangs ganz leise, hinten ganz laut. Also auch hier im Zweifelsfall mehr Raum lassen, als einem zunächst vernünftig erscheint.
Erst danach wird bei E-Musik die Moderation angepaßt. Die sollte bei Kammermusik etwa -4dB (minus, also leiser...) sein als die Musik, bei sinfonischer Musik (Bolero etc.) etwa -8dB. Also nicht beirren lassen, es ist tatsächlich so viel ratsam!
So, nagelt mich bitte nicht auf genaue Dezibelwerte fest. Ich hab sie nicht erfunden, kann sie aber im wesentlichen bestätigen. Ausnahmen bestätigen immer die Regel, ihr wißt doch...
Und fangt bitte keine sinnlosen Diskussionen an, ob ein oder zwei Dezibel mehr oder weniger besser wären. Dann ist der Sache nicht gedient. Es soll nur eine grundsätzliche Richtungsvorgabe sein, damit der Hörgenuß steigt.
Ach, noch ein genereller Tipp. Wie oben dargelegt, hat es ja bei U-Musik die Sprache ganz schön schwer. Wenn man durch entsprechende Pegelabmischungen wie oben trotzdem "nicht gut rüberkommt", dann hilft es, wenn man die Dynamik (den Lautstärkeumfang) der Sprache entsprechend der Musik auch etwas einschränkt. Das Gerät heißt Kompressor. Podcaster und prof. klingende Internetradios benutzen sowas immer. Gibts ab etwa 80 EUR (z.B. Behringer Shark, Preise und Güteklasse nach oben natürlich offen ) und wird zwischen Mikrofon und Rechner geklemmt. Wie bei allen Effekten gilt: Sie sollten *gut*, aber nicht übertrieben klingen. Vorsicht also vor Effekthascherei ("Mehr fürs Geld")... maßvoll pegeln und regeln!
Vorerst viel Spaß mit diesen Tipps! |
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