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Light Weight Digital Rights Management

 
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Autor Nachricht
Lion
Postet sich warm


BeitragVerfasst am: 22.08.2003 - 16:47    Titel: Light Weight Digital Rights Management Antworten mit Zitat

Ich habe heute im Radio einen Bericht gehört, der auf einen Artikel der "Süddeutschen Zeitung" Bezug nahm. Ich habe ein wenig recherchiert und präsentiere hier eine Zusammenfassung davon.

Die SZ hat folgendes geschrieben:
Das Imperium schlägt zurück
Deutsche Wissenschaftler haben eine Art digitalen Fingerabdruck erfunden, mit dem man die Verantwortlichen von Raubkopien überführen kann
Von Tobias Kniebe


[...]der Stand des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen auf der Kölner Popkomm. Man kann nicht gerade sagen, dass er, inmitten plärrender Musikdarbietungen und kreischenden Teenager, besondere Beachtung fand - andererseits aber muss man alles, was hier passiert ist, besonders ernst nehmen. Denn die Fraunhofer-Wissenschaftler waren es, die Anfang der Neunzigerjahre das MP3-Format erfunden haben - jene Computertechnologie, die heute fast jeder Musikliebhaber auf dem Heimcomputer hat, weil sie schnelle - und auch illegale - Downloads ermöglicht und damit für Millionenverluste in den Kassenbüchern der Plattenindustrie sorgt. "Heute präsentieren wir die nächste Stufe der Entwicklung", sagt Professor Karlheinz Brandenburg, 49, einer der MP3-Erfinder: "Von jetzt an kann jeder Internet-User für seine Taten zur Verantwortung gezogen werden."

[...]Genau hier setzt der neue Vorschlag der Fraunhofer-Wissenschaftler an. Sie haben in der alten Welt nach Analogien für diesen Vorgang gesucht - und sind interessanterweise beim Presserecht fündig geworden. "Wer eine Datei ins Netz stellt, die theoretisch unendlich oft verbreitet werden kann", erklärt Professor Brandenburg und grinst dabei wie ein Schuljunge, der seine Hausaufgaben besonders gut gemacht hat, "handelt im Grunde wie ein Publizist. Niemand will die Pressefreiheit einschränken - aber trotzdem verlangen wir, dass publizistische Produkte einen eindeutigen Urheber haben. Verantwortlich im Sinne des Presserechts muss als Stempel darauf stehen."

Einen solchen Stempel auch für kopierte Musikdateien zu schaffen, ist der Arbeitsgruppe inzwischen gelungen. "Light Weight Digital Rights Management System" nennen sie das komplexe Verfahren. Kurz gesagt, ermöglicht es noch nach der tausendsten Kopie, jene Person eindeutig wiederzufinden, die eine Datei zum allerersten Mal kopiert oder ins Netz gestellt hat.

[...]Bisher musste man dafür gewissermaßen auf frischer Tat ertappt werden - das neue Fraunhofer-System aber würde es möglich machen, solche Urheberrechtsverstöße selbst Jahre später noch zu verfolgen, wenn sich die Schäden bereits in Millionenhöhe bewegen.

[...]Viele Betroffene und Kritiker halten das Vorgehen der Musikindustrie für exzessiv. Darunter sind auch Politiker wie Senator Norm Coleman aus Minnesota, der eine öffentliche Anhörung zum Thema gefordert hat. Tatsächlich aber geht es genau darum: Angst zu machen - oder, wie beim Vorschlag der Fraunhofer-Wissenschaftler - mehr Verantwortungsbewusstsein zu schaffen. Auch dafür hat Karlheinz Brandenburg noch eine tolle Analogie parat: "Technik sollte immer zu mehr Freiheit führen - so wie bei einem Auto, mit dem man auch viel schneller fahren kann, als gerade erlaubt ist. Wichtig ist nur, dass das Auto ein Nummernschild trägt - und dass der Besitzer weiß, dass er für alles zur Rechenschaft gezogen werden kann."

Quelle: "Süddeutsche Zeitung" vom 22.08.2003

Das Fraunhofer Institut beschreibt sein neues "Produkt" so:
Fraunhofer Institut hat folgendes geschrieben:
LWDRM® Benutzerfreundliches Rechtemanagement
Wir zeigen ein neuartiges System für das Digital Rights Management von Musik. Es beruht auf einem der sichersten Verschlüsselungsverfahren sowie dem bewährten Fraunhofer IIS Audio Watermarking. Das System besticht durch seine Bedienerfreundlichkeit und dadurch, dass es den Benutzer kaum einschränkt ohne an Wirksamkeit gegen Missbrauch zu verlieren. So bleiben die gemeinsamen Interessen von Verkäufern und Käufern am besten gewahrt.

Quelle: Fraunhofer Institut IIS

Das LWRM soll auf der IFA 2003 in Berlin genauer vorgestellt werden, dazu hat das Fraunhofer Institut eine Pressemitteilung herausgegeben:
Zitat:
Das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS präsentiert auf der IFA 2003 das Light Weight Digital Rights Management LWDRM®. Es gibt Anbietern digitaler Multimedia-Inhalte eine zuverlässige Möglichkeit, Verletzungen des Urheberrechts aufzudecken, ohne die Verbraucher in der Handhabung der Daten einzuschränken.

Die Grundidee des LWDRM®-Systems ist es, dem Konsumenten freien Umgang mit den von ihm erworbenen Inhalten zu ermöglichen - er muss nur zuvor bereit sein, die Mediendateien mit einer persönlichen digitalen Signatur zu versehen. LWDRM® überträgt damit die bei Print-Medien bekannte Kennzeichnungspflicht "verantwortlich im Sinne des Presserechts" auf digitale Medien.

[...]Die meisten der aktuellen DRM-Systeme schränken den Nutzer im Umgang mit den geschützten Daten jedoch stark ein. Das hat bisher eine breite Einführung solcher Technologien verhindert. LWDRM® entspricht den Wünschen des Konsumenten, indem es leicht zu bedienen ist und ihn kaum einschränkt. Außerdem erfüllt es die Forderungen der Medienindustrie nach einer Technologie, mit der die illegale Verbreitung von Musik und Filmen über das Internet verfolgbar ist.

[...]Das LWDRM®-System bietet mehrere Profile, die unterschiedliche Möglichkeiten eröffnen, Mediendaten zu handhaben. Das "B2C Distributions-Profil" z.B. ermöglicht im Business-to-Consumer-Bereich den sicheren Vertrieb von multimedialen Inhalten. Anbieter können diese geschützt an ihre Kunden übertragen. Danach liegen die Daten in einem speziellen Format vor, so dass die Wiedergabe zunächst nur auf einem einzigen Gerät möglich ist. Will der Kunde sie auf weiteren Geräten wiedergeben, muss er sie beim Übertragen mit seiner persönlichen digitalen Signatur unterzeichnen, damit im Fall des Missbrauchs Rückschlüsse auf die Identität des Benutzers möglich sind.

Das LWDRM®-System bietet auch für unkomprimierte Dateien und sogar für analoge Formate Schutz durch den Einsatz der Audio-Wasserzeichen-Technologie des Fraunhofer IIS. In Verbindung mit dem Advanced Encryption Standard AES wir eine hohe Sicherheit erzielt.
Das LWDRM®-System ist modular aufgebaut. In der vorliegenden Implementierung unterstützt es Medien im Format des offenen MPEG-4 Standards und bietet so schon bei geringen Datenraten hervorragende Video- und Tonqualität. Die Architektur ermöglicht die nahtlose Einbindung weiterer Multimedia-Codecs und eine Anwendung auf allen erwünschten Zielsystemen.
Weitere technische Details zum LWDRM®-System finden Sie auf der Website http://www.lwdrm.com.

Quelle: Pressemitteilung des Fraunhofer Institutes

Da ich das für eine neue und eigenständige Entwicklung halte, habe ich darauf verzichtet diesen Beitrag einem der "Tauschbörsen"-Themen anzuhängen, sondern ein neues Thema dafür eröffnet.
Sollte das falsch oder unnötig gewesen sein, kann ein Admin oder Mod diesen Beitrag natürlich gerne zu einem anderen Thema oder zu den News verschieben.

Ich lasse diesen Beitrag als neutralen Bericht erstmal noch unkommentiert - aber auf eure Meinungen bin ich schon mal gespannt Wink

P.S. Entschuldigt bitte diesen langen Beitrag, aber ich habe bereits versucht die zitierten Meldungen soweit zu kürzen wie möglich, ohne daß der Sinn und die Informationen verloren gehen.
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RealPlayer-Hasser
Gast


BeitragVerfasst am: 25.08.2003 - 10:49    Titel: RE: Light Weight Digital Rights Management Antworten mit Zitat

Irgendwie glaub ich nicht das das System eine alzugroße Verbreitung finden wird, es setzt auf die FHG-ENCODER auf, Privatnutzer nehmen aber meist Lame, überhaupt nehmen die Musikalien-Produzenten immer mehr Abstand von Software-Lösungen, gehen zu HardwareLösungen Marke TCPA, Dongels oder ähnlichem über. Bisher wurde bekanntlich jede Software-technologie geknackt und liess sich entfernen. Zu aufwändig und heisst auch teuer.

Das System scheint mir eher für die forensische Suche nach Schwarzmarkt-mp3 oder schwarzen "CD-KOPIEN" brauchbar, kurz nach Erstverkauf oder Marktpräsentation intressant. Ob man nach Monaten oder gar Jahren so wie oben beschrieben, überhaupt noch Provider-Daten bekommt oder gar innerhalb von P2P zurückführen kann, geschweige denn Intresse dran hat, bezweifele ich stark.
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