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Home Page : Movies : The Big White - Immer Ärger mit Raymond

The Big White - Immer Ärger mit Raymond

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Original Titel
The Big White

Kinostart
20.04.2006

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2005

Land
2005

Verleih
3L

Regie
Mark Mylod

Autor
Collin Friesen

Laufzeit
105 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Robin Williams
Holly Hunter
Woody Harrelson
Giovanni Ribisi




Glücksfall Leiche

INHALT

The Big White Paul steht mit dem Rücken zur Wand: Sein Reisebüro in einer Kleinstadt in Alaska ist so gut wie bankrott. Und seine Frau Margaret leidet an einer psychischen Störung, deren Behandlung die Krankenkasse nicht bezahlt. Verzweifelt greift Paul nach dem letzten Strohhalm: Er will an die Lebensversicherung seines verschwundenen Bruders Rayond. Das Problem dabei: Ohne Raymonds nachweisbaren Tod muss die Versicherung erst in zwei Jahren bezahlen. Durch Zufall stößt Paul jedoch gerade jetzt auf eine unbekannte Leiche und beschließt in seiner Not, diese als seinen toten Bruder auszugeben. Die Scharade scheint zu funktionieren, doch dann riecht der Versicherungsagent Ted den Braten und setzt alles daran, Paul auffliegen zu lassen. Zu allem Überfluss kreuzen auch noch zwei Killer auf, die ihre verschwundene Leiche suchen. Und noch eine Überraschung erwartet Paul: Raymond – der ist quicklebendig und sehr, sehr wütend...



KRITIK

The Big White Schwarze Komödie vor schneeweißer Kulisse. Welcher Film ist gemeint? Fargo. Richtig. Bis jetzt. Denn mit "The Big White" kommt nun der zweite Film in die Kinos, auf den diese Beschreibung zutrifft. Regisseur Mark Mylod ("Ali G Inda House") nahm sich dem originellen Drehbuch von Collin Friesen an und inszenierte den Film tatsächlich im eiskalten Alaska. Umso beeindruckender, dass es den Produzenten dennoch gelang, einige so bekannte Darsteller in die Kälte zu locken. Robin Williams erklärte während den Dreharbeiten diplomatisch: "35 Grad minus ist nun wahrlich nicht jedermanns Sache." Doch der Aufwand hat sich gelohnt. "The Big White" ist ein origineller und witziger Film, der sich trotz aller Ähnlichkeit zu den Coen-Filmen einen eigenen Stil bewahrt.

"Immer Ärger mit Raymond" lautet der (unnötige) deutsche Untertitel, doch vorerst scheint der verschollene Raymond (Woody Harrelson – "Larry Flynt") für seinen Bruder Paul (Robin Wiliiams) der einzige Ausweg aus den Finanzproblemen zu sein. Als Versicherungsagent Ted Waters (Giovanni Ribisi – "Lost in Translation") Paul unmissverständlich klarmacht, dass der Fund von Raymonds Leiche wichtige Voraussetzung für die Auszahlung der Lebensversicherung ist und Paul am selben Abend eine unbekannte Leiche im Müll findet, zögert er nicht lange. "Die Grundidee war die Frage, wie weit man wirklich geht, wenn man irgendwo hängen geblieben ist," sagt Drehbuch-Autor Collin Friesen. Paul geht im Film zumindest so weit, die Leiche zu stehlen, im Schnee auszusetzen und sie mit geschickt platzierten Appetit-Häppchen von wilden Tieren bis zur Unkenntlichkeit entstellen zu lassen.

The Big White "The Big White" überzeugt – und auch das erinnert an die Coen-Filme – vor allem durch seine Figuren, die von der starken Schauspieler-Riege grandios dargestellt werden. Robin Williams spielt den verzweifelten Paul mit angenehmen Understatement und drängt sich nicht vor seine Kollegen, von denen vor allem Giovanni Ribisi als Versicherungsagent überzeugt und sowohl sein darstellerisches als auch komödiantisches Talent unter Beweis stellt. Woody Harrelson taucht zwar erst im zweiten Teil der Geschichte auf, zeigt dort aber dann umso eindrucksvoller, warum niemand anderes den Raymond hätte spielen können. Die größte Herausforderung bietet "The Big White" aber für Holly Hunter ("Das Piano"): Sie spielt Pauls Frau Margaret, die an einer psychosomatischen Form des Tourette-Syndroms leidet und fortwährend flucht und schimpft. Das führt im Film zwar zu heiteren Szenen, Paul und Margaret aber verzweifeln auf ihrer Suche nach einer passenden Behandlung für die seltene Krankheit. Der Spagat zwischen komischer und anrührender Darstellung einer geistig behinderten Frau gelingt Hunter dabei um einiges besser als Sigourney Weaver mit ihrer ähnlichen Rolle in "Snow Cake".

Eine Komödie sollte in erster Linie lustig sein. Und trotz der vielen wirklich unterhaltsamen Szenen, wird man das Gefühl nicht los, dass aus diesem Stoff mehr hätte gemacht werden können. Besonders im Mittelteil plätschert der Film etwas vor sich hin, bevor er im Finale noch einmal ordentlich an Fahrt aufnimmt. Dieses Finale aber, dieser Anti-Showdown, in dem sich erstmalig alle Figuren gegenüberstehen, entschädigt für das vorher oft ungenutzte Potential. Und man will diesem sympathischen Film sowieso gern alles verzeihen, nicht zuletzt hat er schließlich den Mut, sich mit einer Frage zu beschäftigen, deren Antwort uns die Filmgeschichte bisher schuldig blieb: Wie schieße ich einem Mann in den Kopf ohne die daraus resultierende Sauerei mit ansehen zu müssen?



FAZIT

The Big White Mit "The Big White" ist Mark Mylod eine originelle und witzige Komödie gelungen, fernab der Fließbandproduktionen, die Hollywood in diesem Genre anbietet. Auch wenn der Film zwischendurch an Tempo verliert, bleibt ein positiver Gesamteindruck, der vor allem dem durchdachten Drehbuch und den Darstellern geschuldet ist. "The Big White" hat nach dem eher bescheidenen Erfolg in amerikanischen Kinos hierzulande mehr Aufmerksamkeit verdient – bereuen wird man den Kinobesuch sicherlich nicht.

Von Till Kadritzke



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