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Cry_Wolf

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Kinostart
08.12.2005

Genre
Thriller

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
3L

Regie
Jeff Wadlow

Autor
Beau Bauman / Jeff Wadlow

Laufzeit
89 Minuten

Hauptdarsteller
Julian Morris
Lindy Booth
Jared Padalecki
Jon Bon Jovi




Hilfe, der Wolf kommt!

INHALT

Cry_Wolf Einige werden das Spiel kennen: Einer wird heimlich als Mörder (oder als Wolf) markiert. Dann bezichtigen sich alle Spieler gegenseitig der Böse zu sein und zum Schluss jeder Runde wird abgestimmt, wer "hingerichtet" werden soll. Das Spiel ist dann zu Ende, wenn entweder der "Wolf" erwischt wurde oder aber er als einziger übrig geblieben ist.

Eine Clique gelangweilter Kinder reicher Eltern in einer privaten Internats-High-School spielt das Spiel heimlich um größere Geldbeträge. Als es ihnen zu langweilig, wird ändern sie die Regeln.

Owen ist neu im Internat, nach dem Rausschmiss von seiner High School hat sein Vater dafür gesorgt, dass er dorthin kommt – auch wenn sich das Interesse an seinem Sohn bei ihm offensichtlich in engen Grenzen hält, seine schulische Laufbahn lässt sich Papi was kosten. Owen verguckt sich kaum auf der neuen Schule angekommen sofort in die clevere und undurchsichtige Dodger. Die beiden sind es, die einen vor wenigen Tagen im Wald vor dem Internat begangenen Mord als Aufhänger dafür nehmen, das Lügenspiel auf die Schule auszuweiten und ganz laut "Hilfe der Wolf kommt!" rufen. Sie erfinden einen Massenmörder namens "Der Wolf", stilecht mit Skimütze und Messer ausgestattet, und verbreiten "seine" Ankündigung, dass er ab Halloween unter den Schülern des Internats wüten werde, per Massenmail an besorgte Eltern, Lehrer und Schüler. Um dem etwas mehr Nachdruck zu verleihen, haben sie sich zusammen mit der Lügenspiel-Clique ausgedacht, sukzessive ihre eigene Ermordung vorzutäuschen. Bald jedoch sieht es für Owen so aus, als würden eben diese Morde tatsächlich geschehen. Die wahrscheinliche Erklärung dafür ist, dass sich die Clique gegen ihn verschworen hat und ihn an der Nase herumführt. Die entschieden unwahrscheinlichere, dass der wirkliche Mörder durch die Massenmails bei seiner Killerehre gepackt wurde und die gefälschten Ankündigungen nun tatsächlich wahrmacht. Owen ist dennoch zunehmend von letzterem überzeugt. Nur hat er schon ein paar mal zu oft "Der Wolf kommt!" gerufen, als dass ihm irgendjemand glauben würde.



KRITIK

Cry_Wolf "Cry_Wolf" ist einer dieser Filme, die ganz auf die Wirkung ihres clever überkonstruierten Plots setzen. Einer jener Agatha Christie würdigen Handlungsabläufe, bei denen von hinten durch die Faust ins Auge gemordet wird und in den letzten fünf Minuten mehrere Hundertachtziggradwendungen die Zuschauer überraschen sollen. Wer solche Geschichten nicht von vornherein ablehnt, wird mit der handwerklichen Umsetzung bei "Cry_Wolf" zufrieden sein. Die Auflösung kommt erst ganz zum Schluss, braucht nicht zu lange und strapaziert die Logik in gerade noch vertretbaren Grenzen (so schlimm wie bei "Flightplan" ist es nicht). Das Problem ist nur, dass die beiden Spielfilmdebütanten Jeff Wadlow (Regie / Drehbuch) und Beau Baumann (Produktion / Drehbuch) außer ihrem Plot nicht mehr viel zu bieten haben.

Ein Vergleich mit Greg Marcks ebenfalls sehr auf seine komplizierte Konstruktion setzendem Spielfilmdebüt "11:14" bietet sich an. "11:14" hat eine dichte düstere Atmosphäre, ein hohes Tempo, viel fiesen pubertären Spaß und ausgezeichnete Schauspieler, allen voran die glänzende Hillary Swank. "Cry_Wolf" hat nichts von alledem. "Cry_Wolf" hat Jon Bon Jovi als Journalistiklehrer Rich Walker und Lindy Booth ("Dawn of the Dead" [Remake], "Wrong Turn") als Dodger, die ihren im Drehbuch schlampig gezeichneten Figuren genauso wenig Leben einhauchen können wie irgendjemand anderes aus dem Ensemble dieses Films seiner Rolle. Die Spannung hält "Cry Wolf" zwar noch gerade so aufrecht, aber Tempo ist etwas anderes. Ein paar coole Sprüche gibt es natürlich und auch eine gelungene Schockerszene mit einem Handy, die sich wer will im Trailer ansehen kann. Wirklich erschreckend an "Cry_Wolf" ist allerdings nur das Ausmaß seiner Harmlosigkeit.

Der Rezensent ist wirklich nicht jemand, der in jedem Horrorfilm literweise Kunstblut fließen sehen will, aber wenn man sich vor einem Serienkiller mit einem XXL-Messer fürchten soll, wäre es schon angebracht, auch einmal kurz zu demonstrieren, wie so ein kleines Messer schneiden kann. Zweifellos benötigen einige ausgezeichnete Horrorfilme sogar gar kein Kunstblut, diese Filme zeichnen sich jedoch meistens durch eine beängstigende Atmosphäre aus. "Cry_Wolf" ist ungefähr so beängstigend wie eine Halloweenparty in der Grundschule und das Internat ist als gruseliges Setting ungefähr so wirkungsvoll, wie es die Kinderzimmerabteilung von Ikea zur besten Geschäftszeit wäre.

Cry_Wolf Die Spannung funktioniert allein über die Unsicherheit, was hier noch Spiel und was blutiger Ernst ist und über die Frage, welche Rolle, die als Highschool-Femme-Fatale angelegte Dodger am Ende wohl spielen mag. Übermäßig interessiert an der Beantwortung dieser Fragen ist man allerdings nicht. Dafür hätte Dodger als Femme Fatale über Westentaschenformat hinaus kommen und Owen (Julian Morris), aus dessen Sicht wir das Geschehen erleben, eine etwas bessere Identifikationsfigur abgeben müssen. Gerade bei Owen wäre mehr drin gewesen: Reich, gelangweilt, vom Vater ins Internat abgeschoben, jemand, der sagt, dass er nichts, was auf der Highschool geschieht, ernst nehmen könne, ein intelligenter Außenseiter wie Dodger, der um jeden Preis, die Aufmerksamkeit bekommen möchte, die ihm sein Elternhaus offensichtlich verwehrt. Es ist alles angelegt, aber in der Ausführung bleibt es blass, blasser, am blassesten.



FAZIT

Wer hat Angst vor diesem Teenie-Film?
Keiner.
Und wenn er kommt?
Dann kommt er eben.




Von Martin Thoma



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