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Dance!

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Original Titel
Take the Lead

Kinostart
25.05.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
Warner Bros.

Regie
Liz Friedlander

Autor
Dianne Houston

Laufzeit
117 Minuten

FSK
ab 6 Jahren

Hauptdarsteller
Antonio Banderas
Rob Brown
Yaya DaCosta
Alfre Woodard




Ghettomärchen Vol. 100

INHALT

Dance! Gesellschaftstanz ist wieder in. Doch nicht nur Heide Simonis und Konsorten können sich quotensicher durch die hiesige TV-Landschaft schnaufen, auch Leidensgenossen aus Hollywood werben tanzbeinschwingend um die Gunst des Publikums. In dem Tanzfilm „Dance!“ trifft „Darf ich bitten?“ (2004) auf „Save the Last Dance“ (2001) und Antonio Banderas zaubert Tango, Foxtrott und Walzer auf das Parkett.

Der Tanzlehrer Pierre Dulaine (Antonio Banderas, „Die Legende des Zorro“, „Irgendwann in Mexiko“) bringt in einem New Yorker Studio gut betuchten Kunden Standardtanz bei. Als er jedoch eines Abends beobachtet, wie der Teenager Jason „Rock“ Rockwell (Rob Brown, „Forrester – Gefunden!“) vor seiner Schule in der South Bronx blind vor Wut das Auto der Schuldirektorin zertrümmert, beschließt er, anstatt den Jungen anzuzeigen, den Vorfall mit der Schulleitung zu besprechen und vorzuschlagen, die Problemschüler der Highschool durch ehrenamtlichen Tanzunterricht von der Straße zu holen. Direktorin James (Alfre Woodard) sieht in dem Angebot zunächst nur die Gelegenheit, die unmotivierte Nachsitzer-Truppe, die im Keller der Schule ihre Strafzeit absitzen muss, zu schikanieren und so zu mehr Schulfleiß zu erziehen. Die abschreckende Wirkung, die der klassische Tanzunterricht zuerst auf die HipHop-vernarrten Schüler hat, hält allerdings nur solange an, bis Dulaine ihnen einen mit 5000 Dollar dotierten Tanzwettbewerb in Aussicht stellt. Das Geld motiviert die Schulmuffel und mit viel Elan entwickeln sie mit ihrem Tanzlehrer eine Kombination aus Standardtanz und HipHop, die ihrem tristen Alltag eine neue Perspektive gibt.



KRITIK

Dance! „Dance!“ basiert auf der wahren Geschichte Pierre Dulaines, dessen Idee, Kindern in Problembezirken mit Tanzunterricht zu helfen, sich zu einem erfolgreichen Programm mauserte, das es inzwischen an vielen staatlichen Schulen in den USA gibt. Der große Unterschied zwischen Realität und Kinoinszenierung ist, dass sich der wahre Dulaine nicht mit fast erwachsenen Highschool-Schülern beschäftigte, sondern wesentlich jüngeren Grundschulkids das Tanzen beibrachte. Die Filmadaption änderte die wahre – und offenbar zu langweilige - Geschichte zugunsten des lukrativen Teenagerfilmmarkts ab – und Teenies stehen ja bekanntlich auf HipHop, Sex und coole Sprüche. So wie die endpubertären Tanzkandidaten im Film.

Die superhippen Ghettokids kann dann auch erst eine auf Nacktbartanz getrimmte Tango-Vorstellung, die Dulaine mit Partnerin gibt, zum Tanzen motivieren. Doch der als Erotikspektakel kredenzte Standardtanz erfordert viel Übung. Und so befasst sich „Dance!“ größtenteils mit der Tanzausbildung der jugendlichen Meute. Aus diesem Grund wurde wohl Regisseurin Liz Friedland das Projekt anvertraut, die sich bisher in der Musikvideobranche profilierte. Unter ihrer Führung mutierte der Teenie-Tanzfilm gewissermaßen zu einem 90-minütigen Videoclip, der im Musikfernsehen gut aufgehoben wäre. Als Kinofilm ist „Dance!“ allerdings nicht der große Renner.

Neben dem auffallend unoriginellen Handlungsverlauf und überstylten Sets wird „Dance!“ vor allem sein Harmoniebedürfnis zum Verhängnis. Alle Figuren – und besonders Antonio Banderas als Pierre Dulaine - sind gnadenlos sympathisch und dazu konstruiert, dem Zuschauer zu gefallen. Rätselhaft bleibt deshalb, warum die Protagonisten eigentlich ständig im Heizungskeller nachsitzen müssen. So faul können die Teenager doch nicht sein, schließlich sitzen öfter mal ein paar von ihnen lesend oder eifrig in Arbeitshefte kritzelnd im Hintergrund herum. So richtig nimmt man den vermeintlichen Problemschülern ihr Ghettodasein nicht ab. Aber vielleicht ist das eine oder andere Problemkind ja ein chronischer Ehrenrundendreher. So sehen jedenfalls die Darsteller aus, die dem Schulalter offensichtlich längst entwachsen sind und denen das Revival der Highschoolzeit sichtlich schwer fällt.



FAZIT

Dance! Bei „Dance!“ ist der Name Programm. Anlass für die massive Tanzbeinschwingerei ist ein gewöhnliches Ghettomärchen, das keinerlei Überraschungen für den Zuschauer bereithält. Der Teenie-Tanzfilm ist so harmlos und lasch wie Erdbeerbowle auf einem Kindergeburtstag und dazu prädestiniert, schon bald auf DVD-Regalen zu verstauben.

Von Therese Hopfmann



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