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Der Untergang

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Kinostart
16.09.2004

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2004

Land
Deutschland

Verleih
Constantin Film

Regie
Oliver Hirschbiegel

Autor
Bernd Eichinger

Laufzeit
150 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Bruno Ganz
Alexandra Maria Lara
Heino Ferch
Corinna Harfouch




Bis zur Stunde Null

INHALT

Eva Braun, Adolf Hitler und Albert SpeerZerstörungen, Leid und Elend, welche durch das Dritte Reich in den sechs Jahren seit 1939 in die Welt getragen wurden, kamen im Frühjahr 1945 mit geballter Kraft nach Deutschland zurück. Das von Adolf Hitler proklamierte tausendjährige Reich war bereits nach 12 Jahren der Angst und des Terrors an seinem Ende angelangt. Im Westen Deutschlands standen die Amerikaner und Briten, und an der Stadtgrenze zu Berlin klopfte die Rote Armee der Sowjets an. Die zerstörerischen Laute der Fliegerbomben waren nun zermürbendem Artilleriefeuer aus russischen Geschützen gewichen. Von einer deutschen Verteidigungslinie konnte bei weitem keine Rede mehr sein, nur hier und da leisteten noch versprengte Grüppchen deutscher Landser erbitterten Widerstand gegen die erdrückende Übermacht des Feindes.

Es handelte sich folglich nur noch um Tage, bis zum endgültigen Fall der Reichshauptstadt und deren Terrorregime. So waren in den letzten Kriegstagen sämtliche Größen der NS-Führung im sogenannten Führerbunker hinter der neuen Reichskanzlei unter meterdicken Mauern verschanzt, um weiter die sich bereits auflösenden Fäden zu ziehen. Bis zum Schluss machte man sich vor, doch noch durch ein Wunder das Ruder herumreißen zu können und den oft zitierten Endsieg zu erlangen. Die apokalyptischen Ereignisse innerhalb und außerhalb des Bunkers vor dem endgültigen Aus macht sich "Der Untergang" als Thema zu eigen; die letzten 12 Tage bis zur sogenannten Stunde Null.



KRITIK

Bernd Eichinger, seines Zeichens Filmproduzent, lies es sich nicht nehmen, das Drehbuch zu "Der Untergang" selbst zu schreiben. Eichinger, der sich privat schon seit über 20 Jahren mit dem Dritten Reich und dessen katastrophalen Konsequenzen auseinandersetzt, hielt sich nach eigenen Angaben für die beste Wahl, was das Schreiben dieses Drehbuches angeht. Das Ergebnis soll ihm Recht geben. Inspiration und Rat holte sich Eichinger von Joachim Fest, Autor einer bereits 1973 veröffentlichten Hitler-Biographie. Im Jahre 2002 beschrieb Fest die letzten Tage der Hitler-Diktatur in seinem Buch mit eben dem aktuellen Filmtitel "Der Untergang". Außerdem stützte sich Eichinger auf die Publikation "Bis zur letzten Stunde" von Traudl Junge, Hitlers damaliger Sekretärin. Ihre Person ist es auch, die den roten Faden durch die Erzählung führt.

letzter AuftrittSo entstand mit der Verfilmung ein referenzloses Werk, was sich die bisherigen Tabus zu brechen getraut und ein entscheidendes Stück deutscher Geschichte erzählt. Bisher wurde das Thema "Adolf Hitler" eher von amerikanischen Produktionen angefasst, selten aber von den heimischen Filmemachern. Zu groß war die Angst, in ein falsches Licht gerückt zu werden. Doch dieses Schicksal soll diesem Streifen erspart bleiben, denn mit einer neutralen und wertungslosen Erzählweise kommt er eher einer Dokumentation nahe. Dargestellt werden tatsächlich fast nur Ereignisse, die damals in irgendeiner Form von Augenzeugen dokumentiert wurden. Daher sieht man z.B. nicht den Selbstmord von Hitler und Eva braun, jedoch die Beseitigung derer Leichen.

"Der Untergang" steht und fällt mit der Besetzung für die Rolle Hitlers. Ohne Alternativen war Bruno Ganz von Anfang an der Wunschkandidat von Bernd Eichinger, und tatsächlich scheint er der einzig Richtige für diesen obskuren Charakter zu sein. Schon einige Filmgrößen haben versucht, Hitler mit seinem besonderen Dialekt, seiner prägnanten Gestik und seinen ungeheuren Stimmungsschwankungen zu verkörpern. Bruno Ganz, für den es nicht seine Traumrolle war, geht ganz in dieser Figur auf und schon nach wenigen Minuten glaubt man den Tyrann leibhaftig auf der Leinwand zu erblicken, der die Welt ins Unglück stürzte. Andererseits sehen wir auch die private, weniger offizielle Seite des Führers. Die charmanten Umgangsformen gegenüber Frauen werden den einen oder andere Zuschauer überraschen. Diese eher menschliche Seite wurde in anderen Filmen vorenthalten. Diskussionen darüber, ob man Hitler als menschliches Wesen überhaupt darstellen dürfe, gelten als hinfällig. Ein Film über die Wahrheit sollte sich seinen eigenen Ansprüchen gegenüber gerecht verhalten, ansonsten gerät er selbst in die Abgründe der Propaganda. So vervollständigt sich das Bild mehr und mehr um die Person Adolf Hitler, die zwar wahnsinnig, jedoch bis zum Schluss voll zurechnungsfähig gewesen ist. Aber auch die Besetzung der anderen Charaktere verdient Anerkennung. Heinrich Himmler oder die Goebbels-Familie, inklusive der sechs Kinder, wirken unglaublich authentisch und auch Heino Ferch nimmt man die Rolle des Rüstungsministers Albert Speer ohne weiteres ab.

Neben den letzten Tagen im Bunker, in dem sich teilweise groteske Parties abspielen, wird die Endzeitstimmung draußen in der Stadt wiedergespiegelt. Unfassbar brutale Szenen ereignen sich sogar noch in den letzten Stunden oder sogar Minuten. Wieder ist die Kamera "dabei", wenn die eigenen Landsleute von sogenannten Kettenhunden wegen angeblichen Desertierens oder Verrats hingerichtet werden. Auch hier ist die beklemmende Realität spürbar, wenn zwischen den Ruinen der Stadt Granaten einschlagen und eine beeindruckende Soundkulisse hinterlassen. Als Drehort mussten Teile von St. Petersburg in Russland herhalten, was mit seinen breiten Straßen und hohen Mietshäusern prädestiniert für ein Berlin-Double von 1945 war. Ruinen fand man reichlich und es gab so einige Möglichkeiten, eine Art Kriegszustand herzustellen. Sämtliche Bunkeranlagen baute man in einer großen Halle so realitätsnah wie möglich nach. Da auch in den Bunkerkulissen die Decke geschlossen war, entstanden während der Dreharbeiten besonders authentische Bedingungen in Bezug auf Licht, Ton und nicht zuletzt auf die Stimmung.



FAZIT

Berlin in Schutt und AscheNeues vermag "Der Untergang" selbstverständlich nicht zu berichten, aber die Konzentration auf die letzten Tage des Niederganges lassen dieses Werk zu einem filmhistorischen Ereignis werden, was seinesgleichen sucht. Die überzeugenden Charaktere, die authentisch wirkenden Drehorte und die Bunker-Kulissen vermitteln glaubhaft ein Gefühl dafür, wie es damals zugegangen ist. Auch, wenn nur ein kleiner Ausschnitt von den Ausmaßen der Nazi-Diktatur sichtbar wird, erfüllt der Film eine aufklärende und bildende Aufgabe, kann man doch die Schrecken dieses Systems fast am eigenen Leib erfahren. Ein besonderer Reiz zeichnet sich natürlich durch die Tatsache aus, dass man sich auf Tuchfühlung mit der NS-Führungsriege befindet und ein "Live-dabei"-Erlebnis erhält. Dieses gut recherchierte und aufwendig produzierte Meisterwerk wird also nicht nur für Hobby-Historiker interessant sein.

Von Lars Lehmann



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