Anzeige
MPeX.net Suche
Home Page : Movies : Die Eisprinzessin

Die Eisprinzessin

» Links zum Artikel
Original Titel
Ice Princess

Kinostart
28.07.2005

Genre
Drama/ Komödie

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
Buena Vista

Regie
Tim Fywell

Autor
Hadley Davis

Laufzeit
92 Minuten

Hauptdarsteller
Joan Cusack
Kim Cattrall
Michelle Trachtenberg
Hayden Panettiere




Prädikat: pädagogisch wertvoll

INHALT

Die Eisprinzessin Die Mutter steht am Fenster des Hauses und betrachtet lächelnd ihre Tochter beim Schlittschuhfahren auf dem zugefrorenen Teich. Schließlich gibt sie sich einen Ruck, klopft laut gegen die Scheibe und hält das Mathebuch hoch. Die brave Tochter dreht noch eine Runde, dann kommt sie ins Haus und macht ihre Schulaufgaben.

Casey ist ihrer ehrgeizigen Mutter Joan eine wunderbare Tochter. Sie ist eine außergewöhnlich gute Schülerin, ganz besonders in Physik. Und anstatt irgendwelche Scherereien mit Jungs zu machen, träumt sie lieber ein bisschen davon, eine Eisprinzessin zu werden. Vor allem ist sie auf dem besten Weg ein Harvard-Stipendium zu bekommen, und Joan sieht sie schon am Beginn einer großen akademischen Karriere. Einer Laufbahn, die ihr selbst verwehrt wurde, weil sie eine Frau war, wie sie nicht versäumt, ihrer Tochter regelmäßig mit gerechtem feministischen Zorn klarzumachen. Doch dann beschäftigt sich Casey in ihrem Physikprojekt ausgerechnet mit den Bewegungsabläufen von Eiskunstläufern, schließlich hatte ihr Physiklehrer empfohlen, ein Thema zu wählen, bei dem ihr persönlicher Enthusiasmus deutlich werde. Und hast du nicht gesehen, ist aus dem Physikass eine Eisprinzessin geworden. Ihre Mutter muss jetzt bald sehr stark sein.

Aber nicht nur sie. Im Drehbuch steht nämlich noch eine zweite Mutter-Tochterkonstellation, die ein Spiegelbild der ersten abgibt so blitzsauber wie auf einer frisch polierten Eisfläche: Caseys beliebte Mitschülerin Gen und ihre Mutter Tina. Tina war einmal eine erfolgreiche Eiskunstläuferin, bis sie sich ihre Karriere durch eine unsportliche Attacke gegen eine Konkurrentin selbst ruinierte. Nun trainiert sie ihre Tochter, die es bald besser machen soll – aber nicht wirklich will. Gen will ihre Jugend nicht ausschließlich auf der Eislaufbahn verbracht haben, doch zusätzlich auf Partys gehen und die Schule schaffen, überfordert sie. Das Drehbuch will es, dass Casey Gen auf ihren Schlittschuhen bald ebenbürtig ist. Trotzdem oder gerade deshalb freunden sich die beiden Mädchen an. Nur die Beziehung zu ihren Müttern kühlt sich ganz erheblich ab, und Tina ist schließlich sogar bereit, ein zweites Mal unfaire Mittel einzusetzen, um eine gewisse Konkurrentin ihrer Tochter auszuschalten.



KRITIK

Die Eisprinzessin Eines muss man Regisseur Tim Fywell und Drehbuchschreiberin Hadley Davis hoch anrechnen: Obwohl es sich bei diesem Thema wahrlich angeboten hätte, mit plattem Pathos die amerikanische Ideologie zu feiern, dass jeder Mensch im "Land of Opportunities“ seinen Traum verwirklichen könne, wenn er nur ausreichend Glaube und Kampfesmut mitbringt, halten sie sich damit zurück. Stattdessen zeigen sie mit Caseys Mutter Joan eine starke Frau, die von der Gesellschaft gehindert wurde, das zu tun, was sie wollte. Und Traumstart hin oder her, wie weit Casey am Ende nach ihrem ersten Erfolg als Eisprinzessin noch kommen wird, bleibt betont offen. Der Film behauptet auch nicht einfach nur: lebe deinen Traum!, sondern zeigt durchaus, wie schwer es sein kann, ihn überhaupt zu erkennen, wenn die eigene Umwelt ganz andere Erwartungen an einen hat. Das sind schon mal zwei schwierige Sprünge mit fehlerfreier Landung. Der Rest der Kür geht dann aber leider daneben.

Die beiden Mutter-Tochter-Pärchen derart symmetrisch einander gegenüberzustellen mag ja noch angehen. Auch in einem Familienfilm ganz auf die Väter zu verzichten, kann man großzügig als Reduktion auf das Wesentliche durchgehen lassen (Mit der Brutpflege hat das Männchen eben weniger zu schaffen, nicht wahr?). Wenn trotz solch einer wahrlich nicht überkomplexen Anlage im ganzen letzten Viertel des Films die ohnehin verstandene Botschaft in ungeheuer schlecht in die schlechten Dialoge eingebauten Merksätzen wiederholt wird, schmerzt es aber schon sehr. Die Mütterdarstellerinnen Joan Cusack ("Working Girl", "In and Out") und Kim Cattrall ("Sex and the City") solche Dialoge aufsagen zu hören, schmerzt sogar besonders, denn eigentlich spielen sie ihre ganz unterschiedlichen Exemplare des Typs ehrgeizige Mutter wunderbar authentisch.

Die schauspielerische Leistung von Michelle Trachtenberg (Buffys kleine Schwester) als Casey beschränkt sich dagegen darauf, am Anfang des Films ständig "Oops" zu sagen und ein peinlich peinlich berührtes Gesicht zu machen, wenn ihr mal wieder eine Ungeschicklichkeit unterlaufen ist. So wie Casey erste Erfolgserlebnisse auf ihren Schlittschuhen hat, wird das "Oops"-Gesage dankenswerterweise eingestellt. Damit möchte die Regie wohl dezent andeuten, dass Casey nun selbstbewusster geworden sei. Hayden Panettiere ist als Gen unwesentlich besser, aber mit fast schon burschikosem Charme wenigstens schön gegen das Klischee Eisprinzessin besetzt.

Überhaupt sind die angenehm schrillen Nebenfiguren der anderen Eiskunstläuferinnen samt ihren wirklich nicht uneingeschränkt sympathisch gezeichneten Eltern und ihre ordentlich gefilmten Eiskunstlaufdarbietungen das belebende Element des Films. Dass zumindest die in einem Film namens "Eisprinzessin“ nicht langweilen, darf man ja aber nun auch wirklich erwarten. Die noch irgendwie ins Drehbuch gequetschte Lovestory dürfte dagegen auch das präpubertäre Zielpublikum zum Gähnen bringen: Er heißt Teddy, und der Name sagt auch schon alles, was man wissen muss.



FAZIT

Die Eisprinzessin Es hätte noch schlimmer kommen können. Immerhin haben sich die Macher ein paar pädagogisch wertvolle Gedanken über Mutter-Töchter-Beziehungen gemacht und verfallen beim Thema "Lebe deinen Traum" nicht gleich in überhitzten amerikanischen Pathos. Das war es dann aber auch an Positivem, was sich über diesen Film berichten lässt.



Von Martin Thoma



LINKS
» Filme bei Amazon.de
» Homepage zum Film
» Wimbledon bei Amazon.de


« Zurück zur Übersicht

Anzeige
Copyright © 2017 MPeX.net GmbH       Impressum       Verzicht       Suche Hosting by mpex