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Der Exorzismus von Emily Rose

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Original Titel
The Exorcism of Emily Rose

Kinostart
24.11.2005

Genre
Thriller / Drama

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
Sony

Regie
Scott Derrickson

Autor
Scott Derrickson / Paul Harris

Laufzeit
120 Minuten

Hauptdarsteller
Laura Linney
Tom Wilkinson
Campbell Scott
Colm Feore
Jennifer Carpenter




Weiche von uns

INHALT

Exorzismus von Emily Rose Eine wahre Geschichte: Im Sommer dieses Jahres wurde in Rumänien eine Nonne bei einem Exorzismus getötet. Ein Priester und vier Mitschwestern hatten sie gekreuzigt. Der Abt des Klosters bezeichnete dieses Vorgehen als (Zitat) "genau das Richtige". Dass solche Auswüchse im Prinzip des Exorzismus mitbegründet sind, lässt sich wohl kaum von der Hand weisen: Ist ein Körper beim Teufel, ist es im Zweifelsfall auch die Menschenwürde des Besessenen. Wichtig ist dann nur noch die reine unsterbliche Seele.

Eine andere wahre Geschichte: 1976 (zwei Jahre nach Erscheinen von William Friedkins Horrorklassiker "Der Exorzist") stirbt die in einem streng religiösen Elternhaus aufgewachsene 23jährige Deutsche Anneliese Michel. Nach einem neunmonatigen (von der katholischen Kirche genehmigten) Exorzismus, in dessen Verlauf die Medikamente gegen ihre epileptischen Anfälle sowie jegliche ärztliche und psychologische Hilfe abgesetzt wurden, obwohl sich Michel selbst schwere Verletzungen zufügte, sich bei den Exorzismen erbrach, sich schließlich ganz weigerte zu essen (nur Fliegen und Spinnen aß sie gelegentlich). Ein Teil von ihr gelangte zu der Überzeugung, sie müsse ihr Leben opfern, um den Teufel zu besiegen und ihre und die Seele anderer Sünder zu retten. Der Pfarrer schien das auch so zu sehen; später sagte er jedenfalls: "Sie hat das Leid anderer auf sich genommen und ein Sühneopfer erbracht. Es war eine atemberaubende Erfahrung." Bei der Autopsie der auf 31 Kilo abgemagerten Leiche wurde unter anderem eine Lungenentzündung und Tod durch Verhungern festgestellt. Der Pfarrer, der Pater, der zusammen mit ihm den Exorzismus durchgeführt hatte, und die Eltern wurden wegen unterlassener Hilfeleistung und fahrlässiger Tötung zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Auf diese wahre Geschichte beruft sich "Der Exorzismus von Emily Rose". Sie ist in den amerikanischen Bible Belt verlegt worden und wird aus der Sicht der aufstrebendenden, aber seelisch angeknacksten Anwältin Erin Brunner (Laura Linney) erzählt. Die Agnostikerin verteidigt den angeklagten Pater Richard Moore (Tom Wilkinson). Zunächst nur aus Karrieregründen, später aus Überzeugung. Mit ihr erfährt der Zuschauer in Rückblenden von Emilys Besessenheit. Und dann greifen die Teufel und Dämonen auch Erin Brunner an.



KRITIK

Exorzismus von Emily Rose Dieser Film ist zwei Filme, ein Drittel Horrorfilm für die Kinokasse und zwei Drittel Gerichtsfilm für die Propaganda. Um es gleich vorwegzunehmen: Nicht nur die Mischung, die uns Regisseur und Drehbuchautor Scott Derrickson hier auftischt, ist unerträglich.

Zunächst die Kritik des "Exorzismus von Emily Rose" als Horrorstreifen. Erst einmal das Positive: Die ungewöhnlichen farbigen Lichter in den Szenen mit der besessenen Emily sind eine interessant umgesetzte, gute visuelle Idee (vielleicht ein bisschen nah am Kitsch, aber egal). Das war es.

Der Rest ist so peinlich, dass man sich beim Zusehen schämt. Jede Schockerszene wird von einem Gewitter mit grausig Geblitze und Gedonner untermalt. Immer ruff uf die Tonspur! Da is noch Platz nebe’m Soundtrack! Weiß doch sonst keener, wanner Angst kriejen muss. Geht es noch lächerlicher? Na, klar. Einfach eine Szene, die beim ersten Mal noch spannend ist, auf genau die gleiche Art nur mit anderen Figuren noch dreimal wiederholen. Weil sich die Spannung bei jedem Mal steigert? Allerdings muss irgendwem aufgefallen sein, dass es womöglich zu albern wäre, immer wieder im entscheidenden Moment die Glühbirne der einzigen Lichtquelle durchbrennen zu lassen. Deshalb vergessen die Figuren ganz einfach ab der ersten Wiederholung, den Lichtschalter zu betätigen, wenn sie des Nachts in ihrer Wohnung nach dem Rechten sehen wollen. Clevere Lösung. Man könnte ewig so weiter kritisieren. Es liefe auf eine Liste plump effekthascherischer und langweiliger Horrorklischees hinaus.

Dabei liest sich die Leidensgeschichte Anneliese Michels wirklich grauenhaft genug. Nur ein bisschen Interesse an der Besessenen, und der Horror wäre fast von allein entstanden. Interesse besteht hier aber ausschließlich an Emilys epileptischen Besessenheitsanfällen, bei deren Darstellung Jennifer Carpenter ("White Chicks") wahrhaft artistische Leistungen vollbringt (Glückwunsch!). Aber: Warum zum Teufel könnten sich die Dämonen ausgerechnet für sie interessiert haben? Wo zur Hölle konnten sie sich in ihrer Seele festsetzen? Was wollen die da? Sicher, es war ja zu befürchten: Warum sollte sich, wer seine Hauptfigur Rose nennt und am Ende des Films noch ein Plädoyer für Anneliese Michels Seligsprechung vom Stapel lässt, dafür interessieren, was für ein Mensch sie war. Hauptsache man hat einen schönen Märtyrertod. Womit wir nahtlos zur Kritik des Streifens als Gerichtsfilm übergehen können.

Der andere Märtyrer, der dann aber wider Erwarten doch nicht gleich zum Tode verurteilt wird, ist Pater Moore. Um die Rechtfertigung seines Tuns (und Lassens) geht es diesem Film in erster Linie. Abweichend vom tatsächlichen Fall Anneliese Michel sitzt der Pater allein auf der Anklagebank, die mitverantwortliche Familie nicht. Dafür gibt es zwei gute Gründe: Erstens, wirkt er ganz allein gleich doppelt so tapfer. Zweitens, wäre die Gerichtsverhandlung mit den Eltern auf der Anklagebank unumgänglich auf Emilys familiären Hintergrund zu sprechen gekommen, mit anderen Worten, man hätte tatsächlich ihre Geschichte erzählen müssen. Gott bewahre, am Ende wäre der Film gar interessant geworden!

So bleibt das einzige, was an diesen völlig verzichtbaren, zähen Gerichtsszenen interessant ist, die Dreistigkeit mit der die Filmemacher, nachdem sie die wichtigsten Fragen so elegant ausgeklammert haben, vorgeben, einen strikt neutralen Standpunkt einzunehmen. Das Ausklammern allein reicht ihnen übrigens nicht. Da die Argumentation der Verteidigung am Ende so komplett neben noch der abstrusesten Spur ist, muss man zu allem Überfluss den Staatsanwalt als arrogantes Arschloch, Pater Moore dagegen als lieben Teddy zeichnen und die Rechtsanwältin in dem Maße, in dem sie den Glauben ihres Mandanten annimmt, zu einem besseren Menschen werden lassen. Das ist Gehirnwäsche für Anfänger.



FAZIT

Exorzismus von Emily Rose Als Horror- und als Gerichtsfilm dumm, platt und langweilig, dabei manipulativ und getragen von krudem religiösem Eifer.

Der Vertreter der Anklage plädiert deshalb für die Höchststrafe: Sofortige Verbannung in den neunten Kreis der Videotheken-Hölle. Auf dass der blöde Geist von ihnen weiche, vor allen Dingen aber dieser Film von uns (und zwar weit weg).

Randbemerkung: Der vom Rezensenten sehr geschätzte Regisseur Hans-Christian Schmid ("Nach Fünf im Urwald", "23", "Crazy", "Lichter") hat ebenfalls einen Film über den Exorzismus von Anneliese Michel gedreht. Er heißt "Requiem" und kommt im März nächsten Jahres in die Kinos. Es müsste schon mit dem Teufel zugehen, sollte er nicht wesentlich besser sein.



Von Martin Thoma



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