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Flight Plan - Ohne jede Spur

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Original Titel
Flight Plan

Kinostart
20.10.2005

Genre
Action / Thriller

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
Buena Vista

Regie
Robert Schwentke

Autor
Peter Dowling / Billy Ray

Laufzeit
98 Minuten

Hauptdarsteller
Jodie Foster
Peter Sarsgaard
Sean Bean
Kate Beahan




Panic-Jodie strikes again

INHALT

Flight Plan Berlin ist kalt und voller Schneematsch. Kyle Pratt hat Angst. Ihre sechsjährige Tochter hat auch Angst. Nur ihr Mann hat keine Angst mehr, denn er ist vor wenigen Tagen vom Dach gestürzt. Vermutlich Selbstmord, vielleicht auch nicht. Manchmal glaubt sie, er wäre noch bei ihr.

Kyle ist Flugingenieurin. Sie und ihre Tochter fliegen nach dem Tod des Mannes zurück in ihre Heimat, die USA, mit dem nagelneuen mehrstöckigen Riesenflugzeug E-474, an dessen Entwicklung Kyle selbst beteiligt war. 12 Kilometer über dem Atlantik ist die Tochter plötzlich verschwunden. Man möchte meinen, weit weg könne sie nicht sein, aber offenbar ist der neue Superjumbo groß genug, dass ein kleines Mädchen an Bord verloren gehen kann. Nur, war sie überhaupt je an Bord? Niemand will sich daran erinnern, das Mädchen gesehen zu haben, schlimmer noch: ihr Name steht nicht einmal auf der Passagierliste. Kyle glaubt an eine großangelegte Verschwörung. Kapitän Rich und Air Marshal Gene Carson glauben eher daran, es mit einer Frau zu tun zu haben, die nach dem Tod ihres Mannes den Verstand verloren hat; mit einer Frau, die so hysterisch auftritt, dass sie eine ernsthafte Gefahr für die übrigen Passagiere darstellt.



KRITIK

Flight Plan Der deutsche Regisseur Robert Schwentke hatte 2002 mit "Tattoo", einem Thriller über psychopathische Sammler von Tätowierungen (deren Träger notwendigerweise gehäutet werden mussten), ein Spielfilmdebüt hingelegt, das so richtig schön knallte. 2005 ist er in Hollywood angekommen. Mit "Flightplan" konnte er einen Stoff verfilmen, der nun wirklich alles hat, was ein Thriller haben muss: Eine mysteriöse tragische Vorgeschichte, eine undurchsichtige Mischung aus Paranoia und wahrer Bedrohung (allein die Tatsache, dass du paranoid bist, bedeutet ja bekanntlich noch lange nicht, dass sie dich nicht verfolgen), einen klaustrophobischen Raum, steril und voller High Tech, die ausgelieferte Situation an Bord eines Flugzeuges, die angespannte Stimmung unter den Passagieren, zu denen auch – Achtung, 11. September! – eine Gruppe verdächtiger Araber gehört und schließlich eine Mutter, die für ihr kleines Kind kämpft. Damit wären wir beim wichtigsten Punkt angelangt:

Die Mutter wird von Jodie Foster gespielt. Die war zwar in vielen anderen Thrillern schon in ähnlicher und in David Finchers (viel besserem) "Panic Room" sogar in sehr ähnlicher Rolle zu sehen, aber das mit gutem Grund: Als fightende Hysterikerin ist sie kaum zu schlagen. Das Drehbuch scheint auf Jodie Foster in dieser ihrer Lieblingsrolle zugeschnitten, und ihr zuzusehen, macht Spaß. Peter Sarsgaard ("Garden State") und Sean Bean ("Der Herr der Ringe") in den beiden weiteren tragenden Rollen als Air Marshal Carson und Kapitän Rich haben dem nichts entgegenzusetzen. Sarsgaard bleibt blass und Bean spielt mit einem derartig heiligen Ernst, dass man sich zu fragen beginnt, ob er vielleicht glaubt, er sei noch in Mittelerde.

Flight Plan Allein an Sarsgaard und Bean liegt es aber nicht, dass der Film nie die vorgegebene Flughöhe erreicht. Es kommt einfach so einiges an schlichter Mittelmäßigkeit zusammen. James Horners Soundtrack ist uninspiriert und trägt nichts zur Spannungssteigerung bei. Kameramann Florian Ballhaus belässt es bei zwei netten Bildideen und verlässt sich ansonsten darauf, dass die strikt durchgehaltene blaugraue Einfärbung der Bilder schon ausreichen möge, um Atmosphäre zu erzeugen. Dem ist nicht so. Kyles Tochter ist viel zu plump offensichtlich nur dazu da, das Kindchenschema zu bedienen: Das Mädchen haucht gegen das Flugzeugfenster und zeichnet ein Herz für ihre Mutter rauf. Wie ergreifend! Das Flugzeug funktioniert als Kulisse für Versteckspiele und Verfolgungsjagden erstaunlich schlecht. Schwentke schafft es nicht, es überzeugend klaustrophobisch in Szene zu setzen. Die Tatsache, nur von etwas beeindruckender Technik umhüllt 12 000 Meter über der Erde zu sein, kann man in einem Flugzeug desto leichter aus den Augen verlieren, je größer es ist. Leider ergeht es einem auch bei diesem Thriller so.

Am besten ist der Film dann, wenn Kyle durch ihr zunehmend durchgeknalltes Auftreten, die angespannte Atmosphäre unter den Passagieren aufheizt und sie schließlich gegen sich aufbringt. Dieser Handlungsstrang wird vor dem Finale abgewürgt.

Flight Plan Das Finale – oh Gott! Die Lösung, die der Film anbietet, um schließlich die Kurve zum konventionellen Thriller-Showdown hinzubekommen, ist erwartungsgemäß an den Haaren herbei gezogen. Darüber kann man in diesem Genre unter Umständen hinwegsehen. Beim - auch von Robert Schwentke wieder als Vorbild genannten - Hitchcock ist es meistens genauso und trotzdem funktionieren seine Filme. Abgesehen davon, dass es in "Flightplan" allerdings wirklich sehr, sehr, sehr arge Logikturbulenzen gibt, wiegt etwas anderes viel schwerer: Das Finale findet zwar im Flugzeug, aber nicht etwa in der Luft, sondern auf dem Rollfeld statt. Was die im Plot angelegte Spannung angeht, ist diese Schlussvariante nur noch mit gutem Willen als Notlandung zu bezeichnen. Man kann auch von Absturz sprechen. Bei Auswertung der Blackbox ließe sich vermutlich feststellen, dass die beteiligten Hollywood-Lohnschreiber schuld waren: Einer steuert nach oben, der andere nach unten und derjenige, der das Ende schreibt, hat die Ausgangsidee gar nicht begriffen.



FAZIT

Jodie Foster gibt in ihrer Lieblingsrolle als Panic-Mom mal wieder alles. Es ist trotzdem zu wenig: Gegen die Mittelmäßigkeit dieses Thrillers hilft der schönste hysterische Anfall nichts.



Von Martin Thoma



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