Anzeige
MPeX.net Suche
Home Page : Movies : Der Herr des Hauses

Der Herr des Hauses

» Links zum Artikel
Original Titel
Man Of The House

Kinostart
09.06.2005

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
Sony

Regie
Stephen Herek

Autor
Robert Ramsey, Matthew Stone

Laufzeit
100 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Tommy Lee Jones
Anne Archer
Brian Van Holt
Christina Milian




Der Barbienator

INHALT

Herr des Hauses Im Zusammenhang mit „Der Herr des Hauses“ von Inhalt zu sprechen ist Hochstapelei. Aber auch in der Kategorie der Filme, die nichts anderes als hohl sein wollen, ist natürlich noch eine Differenzierung zwischen hohl und noch viel hohler auf der nach unten hin offenen Skala möglich. Hier also der „Inhalt“ des Films: „Der Herr des Hauses“ ist eine Variation der „Idee“ knallharter Cop kriegt einen Spezial-Spezialauftrag bei dem er seine feminine Seite entdecken muss. Bei „Babynator“, dem letzten Vertreter des Genres, war es Vin Diesel beim Windelwechseln. Dieses Mal ist es Tommy Lee Jones allein zu Haus mit fünf Cheerleadern (Hey, ihr pubertierenden Jungs da draußen! Mit FÜNF CHEERLEADERN! ALLEIN! WOW!). Diese sind Zeugen eines Mordes geworden und müssen deshalb nun vor dem Mörder beschützt werden. Unser großes Plus, werden sich die Macher gedacht haben (und man darf schon annehmen, dass sie sich irgendetwas bei ihrem Film gedacht haben): Barbies sind sexier als Babies.



KRITIK

Herr des Hauses Ob die Cheerleader in „Herr des Hauses“ für die pubertierende Zielgruppe tatsächlich sexy sind, muss offen bleiben. Viel Gelegenheit dazu, das ist allerdings festzustellen, bekommen sie nicht. Und zwar mit Absicht. Dieser Film will sauber und harmlos sein. FSK ohne Altersbeschränkung ist laut Presseheft beantragt und falls dieses Bemühen scheitern sollte, liegt es auf keinen Fall an den Hemmnissen zuviel Sex oder zu kluger Inhalt – wie auch? der Regisseur ist der von „101 Dalmatiner“ -, sondern höchstens daran, dass am Anfang ein paar Leute erschossen werden.

Der Anfang ist übrigens flott gemacht: Erste Einstellung: Bewegung, Auto über Fahrbahn, Südstaatenrock, zweite Einstellung: Totale, wir sind in Texas, nächste Einstellung: im Wagen, zwei Texas Ranger, alter Haudegen, hübsche Frau, sie: „Traust du ihm?“, er kurz, knapp, texanisch: „Nein.“, nächste Einstellung: Ein dicker Schwarzer mit unmöglicher Brille: „Hände hoch! Alle, sofort die Hände hoch!“, erster Lacher, es ist ein Priester, der seine Gemeinde auf einen dieser klischeemäßig fetzigen schwarzen Gospel-Gottesdienste einstimmt, wieder coole Musik, dann kommen die Cops rein. Der Priester war früher mal ein (halbwegs) Schlimmer, der jetzt aber (halbwegs) zu Gott gefunden hat, er soll einen Kumpel von früher verraten, will aber nicht, es gibt eine Verfolgungsjagd-Parodie zwischen Kuhställen, ein verräterisches Handy wird – erstes und letztes Zugeständnis an die Fäkalwitzfraktion - im Anus einer Kuh verborgen und daselbst wieder heraus geholt und dann kommt, schön kontrastierend, des Vorspanns zweiter Teil: Diesmal in der Stadt, diesmal richtig Action im Split-Screen mit Feuer, Krawumm und souveränem Verzicht auf jeglichen Realitätssinn, am Ende ist die attraktive junge Polizistin schwer verletzt, der gesuchte Zeuge tot und der knallharte Texas Ranger hat seinen Spezialauftrag, weil: fünf Cheerleader haben es gesehen. Das waren die ersten fünf Minuten. Sie haben die bescheidene Erwartungshaltung, mit der man in einen solchen Film gehen darf noch geradezu übererfüllt. Das Pulver ist verschossen, jetzt wird es richtig schlimm.

Herr des Hauses Die Zeuginnen werden alle fünf in ein Haus gesperrt und bekommen den Cop als bösen Stiefvater und Gefängniswärter in einer Person vorgesetzt. Getarnt ist er als ihr angeblicher Cheerleading Coach, der sie auch bis in ihre Schulklasse hinein begleitet (die fünf Mädchen gehen praktischerweise alle in die gleiche Klasse). Das ist nicht glaubwürdig, aber auch nicht weiter schlimm, denn um Glaubwürdigkeit geht es hier ja nicht. Sondern um Gags. Zum Beispiel wie Tommy Lee Jones den ersten vermeintlichen Attentatsversuch, der dann aber doch keiner ist, durch einen Hechtsprung vereitelt. Das erinnert unweigerlich an Leslie Nielsen in „Die nackte Kanone“ und ist nicht nur im Vergleich dazu derart armselig umgesetzt, dass es richtig schlimm wehtut. Oder der: Die Barbies tragen allesamt natürlich bauch- und beinfreie Kleider, was ihrem wertkonservativen Erzieher-Wächter nicht behagt. Leider wollen sie sich in Bezug auf ihre Bekleidung aber auch rein gar nichts sagen lassen. Deshalb installiert der kluge Mann flugs eine Klimaanlage auf Staatskosten und regelt die Raumtemperatur auf knapp über dem Gefrierpunkt runter. Das ist schlimm! Das sind fünf Minuten Film für einen derart lausigen Gag! Aber der knallharte Texaner geht nicht immer so subtil vor.

Als die Cheerleadergruppe ein zweites mal gemeinsam den Aufstand probt und abends ausgehen möchte, fesselt er die zickenden Zicken mit Handschellen an die Möbel. Bei aller Sauberkeit des Films, hier spekuliert er dann doch auf ein dreckiges Höhöhö des unreifen männlichen Zuschauers. Letztlich nimmt der Film Freiheitsberaubung unter absurden Umständen, begründet mit einer grotesk überzeichneten Gefahrenlage, als Anlass für restriktive konservative Erziehungsmaßnahmen. Darüber nachdenken, ob das als eine Allegorie des Amerika unter George W. Bush zu verstehen sein könnte, sollte man vielleicht besser nicht. Sowieso: Jegliches Nachdenken, wie gesagt, wird dem Film nicht gerecht. Bleibt noch zu berichten, dass natürlich auch der Cop, der – wie könnte es anders sein – geschieden ist und seine Tochter vernachlässigt, wieder mehr Familiensinn entwickelt, weil ihm die Cheerleader helfen, Gefühle zuzulassen, und am Ende sogar – auch das noch! – erneut heiratet. Sein erstes Date übersteht er übrigens kameraüberwacht und mit einem kleinen Sender im Ohr über den ihm die Mädchen Anweisungen geben, was er als nächstes tun und sagen sollte. Das satirische Potenzial der Szene wird nicht genutzt, nicht einmal das komische (und natürlich auch nicht das voyeuristische).

Herr des Hauses Während im Vorspann noch das Tempo stimmte, stimmt es hier schon lange nicht mehr. Die Charaktere sind selbstverständlich genau abgezirkelte flache Stereotypen und die schauspielerischen Leistungen deshalb unmöglich zu bewerten. Beste-Nebenrolle-Oscar-Preisträger Tommy Lee Jones, der als Will-Smith-Sidekick in „Man in Black“ durchaus komisch war, ist es in diesem Film allerdings eindeutig nicht. Schön ist, dass man wenigstens einen prallen (wenn auch etwas beliebigen) Soundtrack zu hören bekommt und immer dann, wenn es wirklich tödlich öde zu werden droht, ein bisschen getanzt wird.



FAZIT

Der Film ist so witzlos, dass es nicht einmal mehr für unfreiwillige Komik reicht. Nicht ansehen spart Zeit und Geld.



Von Martin Thoma



LINKS
» Filme bei Amazon.de
» Homepage zum Film
» Ey Mann - Wo is' mein Auto? bei Amazon.de


« Zurück zur Übersicht

Anzeige
Copyright © 2017 MPeX.net GmbH       Impressum       Verzicht       Suche Hosting by mpex