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I Heart Huckabees

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Kinostart
12.05.2005

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2004

Land
USA

Verleih
FOX

Regie
David O. Russell

Autor
David O. Russell, Jeff Baena

Laufzeit
106 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Jason Schwartzman
Isabelle Huppert
Dustin Hoffman
Lily Tomlin
Jude Law
Naomi Watts




Die Daseinsfrage

INHALT

I Heart 
Huckabees Huckabees. Wer sich bei diesem Begriff an eine exotische Vogelart erinnert fühlt, befindet sich definitiv auf dem Holzweg. Vielmehr handelt es sich bei Huckabees um eine populäre Supermarktkette, bei der Albert Markovski (Jason Schwartzman) seinen Job verrichtet und sich dort in der Freiflächen-Koalition als Umweltaktivist engagiert. Er versucht, die Ausbreitung der Industrie und somit die Zerstörung der Natur zu verhindern; mehr oder weniger erfolgreich. Eher weniger. Alles scheint in Jasons Leben schief zu gehen, doch just im richtigen Moment trifft der schwer gebeutelte Weltverbesserer auf die existentiellen Detektive Vivan (Lily Tomlin) und Bernhard Jaffé (Dustin Hoffman).

Jason begibt sich unter die Fittiche der beiden Detektive und erlebt von nun an Dinge, von denen er zuvor nicht einmal wusste, dass es sie gibt. Mittels verschiedener und gleichsam recht merkwürdiger Methoden beginnt eine irrwitzige Tour durch die Abgründe der Seele des Patienten, nein, Kunden. Das alte, problembehaftete Leben von Jason ist nun vorbei, denn jetzt ist es noch schlimmer als je zuvor. Die beiden Vollprofis Vivan und Bernhard haben es tatsächlich geschafft, das Leben ihres Klienten in das totale Chaos zu stürzen. Dass sein Umfeld davon nicht völlig unberührt bleibt, sollte jedem klar sein...



KRITK

I Heart Huckabees Verrückte und nicht zwangsläufig auf den Mainstream fokussierte Filme werden zunehmend zur Rarität - vor allem, wenn sie aus Hollywood kommen. Aus Angst, die eine oder andere Zielgruppe zu verpassen und somit auch das Gewinnmaximum nicht vollkommen auszuschöpfen, werden immer mehr Filmproduktionen zum thematischen Einheitsbrei ohne besondere Raffinessen. Massenkompatiblität ist das Motto. Dass es auch anders geht, ohne gleich den finanziellen Ruin ausrufen zu müssen, hat Regisseur und Drehbuchautor Davis O. Russel mehr als nur ein Mal bewiesen.

Nicht zuletzt "Three Kings", mit George Clooney in der Hauptrolle, wurde nicht nur zum kommerziellen Kinoerfolg. Eine satte Ladung Selbstironie ist in Russels Werken nicht zu verkennen, wobei dem ach so schweren Leben ein Stück weit seine Wichtigkeit genommen wird. So geht es in "I Heart Huckabees" nicht nur zufällig um die Daseinsfrage - den Sinn des Lebens mit all seinem Licht und Schatten. Der Gedanke an einen schnöden Tiefgangfilm mit schweren Melancholieerscheinungen ist jedoch unberechtigt, konfrontiert doch Russel das Publikum mit den problematischen und weniger schönen Dingen dieser Welt auf eine geradezu erfrischende Art und Weise. Fließende Grenzen zwischen gnadenloser Albernkeit und bitterem Ernst lassen diesen Film zu einer polarisierenden Komödie mit ernsthaftem Kern avancieren. Die Zuschauermeinung dürfte wohl in zwei Lager gespalten sein: die einen werden sich vor Lachen kringeln, die anderen schlafen bis zum Ende durch. Man kommt nicht umhin, sich bei "I Heart Huckabees" manchmal an Charlie Kaufman Filme zu erinnern, der mit "Being John Malkovich" oder "Human Nature" in ähnliche Wirren der menschlichen Abgründe vordringt und vor allem mit dem letztgenannten Streifen das Wesen des Menschen mit all seinen Widersprüchen auf amüsantem Wege beschreibt.

Schräge Story, schräge Besetzung. Das gesamte Ensemble besticht durch seine markante Mischung; keiner der Darsteller ist Vollblutkomiker. Doch gerade die herzlich trockene und machmal etwas trottelige Art von Dustin Hoffman und die charmante Arroganz von Jude Law machen das Salz in dieser Suppe aus. Die Protagonisten wollen nicht lustig sein - und im Prinzip sind sie es auch nicht. Letztendlich lachen wir bei den Ereignissen auf der Leinwand nur über uns selbst, mutiert sie doch in diesem Streifen zum überdimensionalen Spiegelbild. Als Independet-Film daherkommend, haben die Schauspieler nur auf einen Bruchteil ihrer sonst gewohnten Gage bestanden. Auch Naomi Watts (21 Gramm, The Ring) ließ sich anheuern und bewieß Mut zur Hässlichkeit. Als "Gesicht" der Supermarktkette Huckabees spielt sie die wunderschöne Blondine des Hauses und vermittelt unerfüllbare Illusionen. Doch nachdem sie sich über den wahren Sinn ihrer Existenz im Klaren ist, kommt auch das wahre, das ungeschminkte Gesicht zum Vorschein. Aber sehen sie selbst.

Um diesem verdrehten Werk einen passenden optischen Look zu verleihen, wurde das Bild nüchtern und stimmungslos, ja geradezu steril gehalten. Gezielte Farbtupfer heben sich aus der sonst blauen flachen Welt ab und lassen einen Tick von Lebendigkeit erkennen. Bemerkenswert und überraschend sind die Effekte, die einer Collage nachempfunden wurden, denn nicht selten fällt unvermittelt ein Teil aus dem Bild oder eben dieses baut sich zu einem neuen Kunstwerk zusammen; Verzicht auf Konventionelles, wohin das Auge reicht.



FAZIT

I Heart Huckabees Warum sind wir auf dieser Welt? Was für eine Aufgabe haben wir? Warum sind die Menschen so schlecht? Warum gibt es so viele Probleme, so viel Elend? All diese Fragen werden in "I Heart Huckabees" gestellt. Beantwortet werden sie alle, aber nach den Antworten muss jeder selbst suchen. In einer so manch albernen Szene könnte eine subtile Botschaft versteckt sein. Doch die Welt verbessern möchte der Film nicht. Er kann es gar nicht. Vielmehr vermittelt der Streifen die Botschaft, das Leben zwar ernst, aber nicht zu wichtig zu nehmen, der einen oder anderen Begierde zu erliegen, aber sein Leben trotzdem sinnvoll zu leben. Über die Lösung der Alltagsprobleme hilft auch dieser Film nicht hinweg, doch folgender Dialogausschnitt darf als hilfreiche Erkenntnis mit nach Hause genommen werden: "Ich kette micht morgen an den Bulldozer" - "Bringst du deine eigenen Ketten mit? - "Bringen wir nicht immer unsere eigenen Ketten mit?".

Wer mit Aussagen dieser Art etwas anfangen kann und sich nicht scheut, über sich selbst etwas zu schmunzeln, kann mit einem Besuch von "I Heart Huckabees" nicht viel falsch machen. Vielmehr bringt dieser Film trotz seiner thematischen Schwermütigkeit durch seine grandios lockere Umsetzung einen emotionalen Farbtupfer in die aktuell recht schnöde Kinolandschaft.

Von Lars Lehmann



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