Anzeige
MPeX.net Suche
Home Page : Movies : Inside Man

Inside Man

» Links zum Artikel
Kinostart
23.03.2006

Genre
Thriller

Erscheinungsjahr
2006

Land
USA

Verleih
UIP

Regie
Spike Lee

Autor
Russell Gewirtz / Menno Meyjes

Laufzeit
112 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Denzel Washington
Clive Owen
Jodie Foster
Kim Director




Verbales Feuerwerk

INHALT

Inside Man Vier als Maler verkleidete Bankräuber betreten die geschäftige Lobby der Manhattan Trust mitten im Wall Street District in New York und übernehmen innerhalb von Sekunden die Kontrolle über Sicherheitssystem, Angestellte und Kunden. Die beiden Detectives Keith Frazier und Bill Mitchell werden zum Tatort berufen, um mit dem Anführer der Geiselnehmer Dalton Russell zu verhandeln. Zusammen mit dem Captain der Notfallbehörde John Darius sind sie hoffnungsfroh, die Situation schnell und friedlich lösen zu können.

Aber die Dinge entwickeln sich anders als geplant. Russell entpuppt sich als ein cleverer Gegner, ein Puppenspieler mit einem durchdachten Plan Geiseln und Staatsmacht zu verwirren. Die Geiselnehmer sind der Polizei immer einen Schritt voraus und scheinen von deren Plänen bereits im Voraus zu wissen. Fraziers Verdacht, dass im Hintergrund noch ganz andere Dinge geschehen, erweisen sich als berechtigt, als die geheimnisvolle Anwältin Madeline White die Szene betritt und eine private Unterhaltung mit Russell einfordert. Auch den Geschäftsführer der Bank Arthur Case scheint sich noch um anderes zu sorgen, als nur um sein Geld und die Geiseln. Detective Frazier lässt sich auf ein riskantes Katz-und-Maus-Spiel ein – aber mit den sich stetig ändernden Regeln dieses Spiels kann ein falscher Schritt in die Katastrophe führen.



KRITIK

Inside Man "Mo’ Better Blues", "Malcolm X", "Spiel des Lebens" – die Liste der Filme, in denen Regisseur Spike Lee sich Denzel Washington als Hauptdarsteller ausgesucht hat, ist lang. Im Gegensatz zu Lees bekanntesten Filmen ist die neuste Zusammenarbeit dieser beiden Ausnahme-Künstler allerdings nicht im Genre der Sozialstudien beheimatet. "Inside Man" kommt zwar auch nicht ohne politische Komponente aus, ist laut Regisseur selbst aber eher als Hommage an die Heist-Filme der 70er-Jahre wie "Dog Day Afternoon" zu verstehen – ein Mainstream-Movie im besten Sinne. Die Story, die aus der Feder von Drehbuch-Neuling Russell Gewirtz stammt, ist trotz des leicht zu benennenden Themas Bankraub alles andere als simpel. Die drei Hauptstränge von "Inside Man" werden durch drei Schlüsselfiguren repräsentiert, aus deren späteren Kollisionen der Film seine Spannung schöpft.

Da wäre zum ersten der ominöse Anführer der Geiselnehmer Dalton Russell (Clive Owen – "Hautnah", "Sin City"), ein offensichtliches Genie mit dem scheinbar perfekten Plan, eine der größten Banken Amerikas auszurauben. Der Coup – an dessen Realismus sich Filme dieser Art letztendlich messen lassen müssen – ist tatsächlich genial, keinesfalls unlogisch und eigentlich schon den Kinobesuch wert. Hilflos müssen wir zusehen, wie Russell auf wirklich alles vorbereitet ist und immer wieder mit neuen Finten aufwartet, um seine Gegner zu verwirren. Sein Hauptgegner ist Detective Keith Frazier (Denzel Washington – "Training Day", "The Hurricane"), der die undankbare Aufgabe bekommt, das polizeiliche Vorgehen gegen die Geiselnehmer zu koordinieren.

Frazier scheint von Anfang an alles unter Kontrolle zu haben, weiß immer, was zu tun ist und hat zwischendurch auch immer wieder Zeit, seine Kollegen zum Lachen zu bringen, was an der einen oder anderen Stelle unpassend erscheinen mag, aber nicht zu sehr stört. Im Verlauf des Films wird Frazier klar, dass er es hier nicht mit einem gewöhnlichen Bankräuber zu tun hat und schließlich beginnt er, in eine ganz andere Richtung zu ermitteln. Auf diese Spur gelangt Frazier durch das Auftreten der geheimnisvollen Anwältin Madeline White (Jodie Foster "Das Schweigen der Lämmer", "Flightplan"), die die Interessen des Geschäftsführers der Bank Arthur Case (Christopher Plummer – "A Beautiful Mind", "Syriana") vertritt: Case hält in seiner Bank Dokumente versteckt hält, die auf keinen Fall an die Öffentlichkeit gelangen dürfen. Diese dritte Ebene des Films ist dann leider auch die mit den meisten Schwächen und vielleicht hätte es der Geschichte gut getan, wenn sich Gewirtz hier mehr auf den Coup an sich fokussiert hätte. Der Teil von "Inside Man", der sich um Arthur Case und seine Anwältin dreht, wartet auch mit dem einzigen logischen Fehler des Films auf – leider ein für den Realismus der Story existenzieller: Die Dokumente, die den Bank-Chef so belasten, hätte dieser auch mit Leichtigkeit vernichten können, anstatt sie in ausgerechnet dieser Filiale seines Konzerns zu verstecken.

Inside Man Der andere politische Aspekt fügt sich dagegen wunderbar in die Geschichte ein. Als Russell – bereits zum dritten Mal – eine der maskierten Geiseln mit einer Nachricht für die Cops nach draußen schickt und sich diese Geisel als Bart und Turban tragender Araber entpuppt, eskaliert die Situation im paranoiden Amerika fast. Auch dass Captain John Darius (Willem Dafoe) alles andere als begeistert darüber ist, von einem Schwarzen herumkommandiert zu werden, wird in seiner Mimik zwar deutlich, aber nicht weiter betont. Überhaupt ist Gewirtz’ Script äußerst intelligent strukturiert und lässt den Zuschauer hautnah am Geschehen teilhaben – wir sind immer genauso weit wie Detective Frazier und stecken dessen kleine Erfolge und Rückschläge ebenso ein wie er. Auch die Idee, zwischen den Szenen der Geiselnahme die späteren Verhöre der Opfer zu zeigen, erweist sich keineswegs als hemmend, sondern als raffinierter Trick, die Spannung auf die Spitze zu treiben. Und wäre das Script nicht spannend genug gewesen, hätte Spike Lee mit Sicherheit dafür gesorgt. Seine Regie-Arbeit ist erneut brillant, die Kamerafahrten innerhalb der Bank ergänzen sich perfekt zum Verwirrspiel, dass die Geiselnehmer mit ihren Opfern spielen und man merkt dem Film deutlich an, wieviel Spaß der Regisseur bei der Inszenierung gehabt haben muss.

Auch die beiden Hauptdarsteller machen ihre Arbeit gewohnt hervorragend und die wenigen Szenen, in denen sich Denzel Washington und Clive Owen direkt gegenüberstehen, gehören zu den Highlights von "Inside Man". Vor allem durch Washingtons Spiel setzt sich die Figur des Detective Frazier angenehm vom sonst oft plakativen Cop-Charakter ab und Clive Owen, den Spike Lee erst bei einem gemeinsam Besuch eines Basketball-Spiels von der Rolle überzeugen konnte, ist als kriminelles Mastermind absolut furchteinflößend – vor allem durch die Tatsache, wegen der Owen den Film fast abgelehnt hätte: Dass Russell nämlich den größten Teil des Films mit pechschwarzer Sonnenbrille und Tuch vor dem Mund zu sehen ist und Owen so vor allem mit seiner großartigen Stimme brillieren darf. Und auf die ist auch inhaltlich besonders zu achten. Denn schon in der ersten Minute des Films wendet sich Dalton Russell mit tiefer Stimme direkt an das Publikum: "Achten Sie genau darauf, was ich sage, denn es ist wichtig und ich werde mich nicht wiederholen."



FAZIT

Inside Man "Inside Man" ist ein Action-Film, der allerdings eher mit verbalen als mit pyrotechnischen Explosionen aufwartet. Spike Lee setzt sein Publikum über die gesamte Länge des Films unter Strom und lässt es nur selten zu Atem kommen – so entsteht ein hochspannender und zu keiner Sekunde langweiliger Film, der durch eine ausgeklügelte Story, eine perfekte Inszenierung und Top-Darsteller in Hochform voll überzeugt. Allein der vermeintliche Nebenstrang um den Geschäftsführer der Bank endet wenig zufrieden stellend und lässt doch einige Fragen offen. Diese Schwächen sieht man den Filmemachern aber mit Freude nach, wenn man dafür so blendend unterhalten wird wie mit "Inside Man".

Von Till Kadritzke



LINKS
» Filme bei Amazon.de
» Homepage zum Film
» The Score bei Amazon.de
» Ocean's Twelve bei Amazon.de
» The Italian Job - Jagd auf Millionen (2 DVDs) bei Amazon.de


« Zurück zur Übersicht

Anzeige
Copyright © 2017 MPeX.net GmbH       Impressum       Verzicht       Suche Hosting by mpex