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Kiss and Run

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Kinostart
07.07.2005

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2002

Land
D

Verleih
ZuG

Regie
Annette Ernst

Autor
Maggie Peren

Laufzeit
91 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Maggie Peren
Ken Duken
Anja Herden
Hinnerk Schönemann




Sei einfach du selbst!

INHALT

Kiss and Run „Kiss and Run“ - ein englischer Titel. Netter Versuch, aber wir lassen uns nicht täuschen: Der Grimmepreisträger 2005 (für Regie, Drehbuch, Hauptdarsteller) ist eine deutsche Komödie durch und durch. Es geht um die Sandkastenfreunde Emma (Maggie Peren) und Max (Ken Duken). Einst hatte er ihr auf einem Spielplatz unter dem blauen Himmel zwischen den Hochhäusern einen Kiss gegeben, aber sie war weggerunt. Heute sind sie Mitte zwanzig und beide Single. Sie ist Schauspielerin ohne Rolle und unzufrieden mit ihrem Aussehen; arbeitet in einer Videothek und rennt wie gein Teenie einem - im Gegensatz zu ihr erfolgreichen - Kollegen hinterher. Er – Max - hält sich ebenfalls die meiste Zeit in der Videothek auf, um sich Pornos anzusehen und um ihr mit viel Spaß an der Sache die Kunden zu vergraulen – in Wahrheit natürlich, um in ihrer Nähe zu sein. Befreundet mit ihnen sind Malia und Christo. Die Beiden wollten eigentlich in wenigen Tagen heiraten, bloß können sie sich leider wegen plötzlich einsetzender Bindungsangst gar nicht mehr ausstehen...



KRITIK

Kiss and Run Die idealtypische englische Komödie behandelt soziale und gesellschaftliche Probleme, die idealtypische deutsche Komödie Beziehungen. „Kiss and Run“ scheint irgendwie am englischen Vorbild orientiert zu sein. Darauf deuten nicht nur der Titel und ein paar ironisch-ehrerbietige Filmzitate („Ganz oder gar nicht“, „Trainspotting“!) hin. Auch das Frankfurter Hochhausviertel, in dem gedreht wurde, täuscht Sozialkritik an. Aber all das ist hier nur Dekoration. Die gesellschaftliche Aussage des als Social Comedy kategorisierten Films ist viel, viel allgemeiner.

Eine Videothek mit völlig zugeklebten Fenstern als Hauptschauplatz ist idealer Ort, in dem junge Menschen gezeigt werden, die in einer auf sich selbst bezogenen Scheinwelt leben und darunter leiden, als wirkliche Personen nicht filmreif zu sein. Es ist die ranzige, abgespeckte Variante der Filmwelt, in die Emma hinein möchte. Emma, die wir in ihrer ersten Szene bei sich zu Hause nervös in einem Wald von Fotos ihrer selbst in sexy Filmstarpose hin und her huschen sehen. Der ganze Filmaufbau ist eine Metapher, die auf das Leben seines Zielpublikums abzielt, das vor allem filmstarmäßig gut aussehen wolle - wahlweise auch, dem suggeriert werde, dass es so aussehen müsse -, anstatt auf sein wirkliches Selbst zu vertrauen.

Von der Botschaft her ist das banal und allgemein genug, um bei stimmiger Umsetzung, originellen Gags und überzeugenden Charakteren für einen lustigen kleinen Film zu reichen, den jeder irgendwie ganz nett findet. Regisseurin Annette Ernst, deren Spielfilmdebüt „Kiss and Run“ ist und Drehbuchautorin Maggie Peren, die von Off-Kino-Filmen („Vergiß Amerika“) über Mainstreamkino mit Anspruch („Napola – Elite für den Führer“) bis zu Teenie-Trash („Mädchen, Mädchen“ 1 und 2) schon alle möglichen Arten von Drehbüchern schreiben musste, durfte oder konnte, erfüllen diese Voraussetzungen bestenfalls ansatzweise.

Maggie Peren hat für das Skript zu „Kiss and Run“ schon 2000 von der Jury der „Medien und Filmgesellschaft Baden-Württemberg“ den Preis für das beste unverfilmte Drehbuch erhalten (Was es nicht alles gibt!). Man hätte ihr auch den Sonderpreis für die behämmertesten Nebencharaktere zusprechen können. Malia und Christo (Anja Herden und Hinnerk Schönemann) sind so strunzblöd, dass man ihnen alles Schlechte wünscht und wie grauenhaft ihre zukünftige Ehe auch verlaufen sollte, keinerlei Mitleid für sie übrig hätte. Maggie Peren dagegen hätte ruhig ein bisschen Mitleid mit den Zuschauern haben können, als sie die Beiden in ihr Drehbuch packte.

Regisseurin Annette Ernst ist nicht weniger gnadenlos, wenn sie den Kitsch kübelweise über der unausweichlichen Versöhnungssexszene ausschüttet. Ebenso überflüssig sind die zwei pubertierenden Jungs, die in regelmäßigen Abständen durchs Drehbuch stolpern und vor zwei angehimmelten Mädchen ihre Tänze aufführen, was jedes Mal damit endet, dass sich mindestens einer der beiden auf die Nase packt. Running Gag nennt man so etwas normalerweise, aber in diesem Fall müsste es Falling Gag heißen - im doppelten Unsinn, denn auch der Witz geht vor der Pointe zu Boden.

Die Hauptfiguren sind ebenfalls nicht gerade so, dass man vor lauter Begeisterung nicht mehr ein noch aus wüsste. Max ist der Sympathieträger. Einer, der sagt, dass er seine Pornofilmsammlung dem sadistischen Filmkunstgetue eines Lars von Trier vorzieht, muss im Grunde seines Herzens ein guter Mensch sein. Das Drehbuch stattet ihn mit einigen seelischen Abgründen aus, um ihn interessant erscheinen zu lassen, verniedlicht sie aber stark, damit auf keinen Fall seine Sympathenrolle in Gefahr gerät. Max wird von Ken Duken verkörpert. Ken Duken ist so etwas wie der kleine Bruder von Til Schweiger, also – möglicherweise vorsätzlich – fehlbesetzt. Er kann zwar mehr oder weniger charmant seine coolen Sprüche aufsagen, aber als an sozialem Status gänzlich uninteressierter Arbeitsloser, der sich als Medikamententester über Wasser hält, als „Harold-and-Maude“-Fan regelmäßig aus Spaß seinen Selbstmord vortäuscht und schon jahrelang – ohne es sich einzugestehen - seiner Sandkastenfreundin nachläuft, ist er völlig unglaubwürdig. Dafür sieht er halt auf mehrheitsfähige Weise süß aus. Emma wird von Drehbuchautorin Maggie Peren gleich selbst gespielt. So wie sie die Rolle in ihrem Skript angelegt hat: Fast immer leicht schmollend und nicht sonderlich aufregend.

Während die auf extra schlagfertig getrimmten Dialoge zwischen Max und Emma irgendwann nur noch nerven, sind es noch am ehesten die nebensächlichen Details, in denen der Film Witz entwickelt: Dass der Filmstar, dem Emma hinterher ist, als „der deutsche Robert de Niro“ verkauft wird, ist schon eine gute Idee, weil man haargenau so einen Schwachsinn der deutschen Filmindustrie zutrauen würde, dass Max ihn dann auch noch als Pappfigur in Emmas Videothek zusammenbasteln darf, ist sehr komisch. Den einen der beiden pubertierenden Jungs vor der Angebeteten eine Striptease-Show ausgerechnet nach dem filmischen Vorbild von „Ganz oder gar nicht“ aufführen zu lassen, ist auch nicht schlecht (und wäre im übrigen nicht weniger witzig gewesen, wenn er am Ende einmal ausnahmsweise nicht hingefallen wäre). Und Sonya Kraus eine Gastrolle als Sonnenstudio-Chefin zu geben, ist natürlich ebenfalls ganz nett.

Im positiven Sinn süß ist auch die Szene, in der sich Emma und Max schließlich im steckengebliebenen Fahrstuhl ihre Liebe gestehen. Sie lässt die fast 15 Jahre zwischen erstem und zweitem Kuss mit Leichtigkeit verschwinden und holt den weiten Himmel über dem Kinderspielplatz in den engen Fahrstuhl, ohne dass es peinlich wird. Die abschließende Geburtstagsüberraschung für Emma ist dann allerdings schon wieder Kitsch der platten Sorte.



FAZIT

Kiss and Run Männer, zeigt eure Gefühle! Frauen, denkt nicht immer nur darüber nach, ob ihr schön genug seid! Junge Leute, werdet erst mal erwachsen, dann sieht die Welt schon ganz anders aus! Eher simple Botschaften in einer deutschen Komödie, die im Fernsehen gut aufgehoben wäre. Trotz einiger netter Stellen insgesamt nur mäßig witzig und stimmig.



Von Martin Thoma



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