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Königreich der Himmel

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Original Titel
Kingdom of Heaven

Kinostart
05.05.2005

Genre
History

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
FOX

Regie
Ridley Scott

Autor
William Monahan

Laufzeit
145 Minuten

FSK
ab 16 Jahren

Hauptdarsteller
Orlando Bloom
Eva Green
Jeremy Irons
Liam Neeson





Den Sieg verpasst

INHALT

Königreich der Himmel Balian (Orlando Bloom), ein einfacher Schmied, hat Frau und Kind verloren und darüber beinahe auch seinen Glauben. Der Religions-Krieg, der im fernen Heiligen Land brennt, scheint ihm weit entfernt. Dennoch wird er in die Ereignisse dieses immensen Dramas hineingezogen. Inmitten des Prunks und der Intrigen des mittelalterlichen Jerusalems wächst er zu einem Führer heran und setzt am Ende all seinen Mut und seine Fähigkeiten ein, um die Stadt in aussichtsloser Lage zu verteidigen.

In Jerusalem herrscht zu der Zeit – zwischen dem Zweiten und Dritten Kreuzzug – ein zerbrechlicher Frieden, der nur den Bemühungen des weisen Christen-Königs Baldwin IV und der militärischen Zurückhaltung des Sagen umwobenen Muslim-Führers Saladin (Ghassan Massoud) zu verdanken ist. Aber Baldwins Tage sind gezählt, und Anfälle von Fanatismus, Gier und Eifersucht unter den Kreuzfahrern gefährden den Waffenstillstand. Die Friedens-Vision von König Baldwin – ein Königreich der Himmel – wird geteilt von einer Handvoll Ritter, die schwören, die Idee mit ihrem Leben und ihrer Ehre zu verteidigen. Um die Hilflosen zu beschützen, den Frieden zu wahren und sich für die Harmonie zwischen den Religionen und Kulturen einzusetzen, ergreift auch Balian das Schwert und geht so in die Geschichte ein.



KRITIK

Königreich der Himmel Wenn Regisseur und Produzent Ridley Scott mit einem neuen Film aufwartet, kracht es in der Regel gewaltig auf der Leinwand. Wer diese These bewiesen sehen möchte, darf sich an Scotts Werken - allen voran "Alien", "Gladiator" und "Black Hawk Down" - überzeugen. Spektakulär und oftmals recht blutig geht es zu in den Filmen des Briten. Aber der Actionregisseur kann mehr, als nur den Kinosaal in ein Schlachtfeld zu verwandeln. Er beherrscht die Kunst, Geschichten von Menschen - seien diese nun real oder fiktiv - auf eine lebendige, emotinale und gleichsam unkonventionelle Art zu erzählen. Nicht zuletzt die Kameraeinstellungen tragen in Ridley Scotts Filmen ihren Teil dazu bei, dass jedes Bild zum genussvollen Erlebnis avanciert.

Um es vorweg zu nehmen, auch mit "Königreich der Himmel" weiß fast jedes der Bilder zu beeindrucken. Fast jedes. Denn die ersten Minuten des Streifens erinnern eher an einen Märchenfilm aus vergangenen Zeiten. Zu künstlich, ja geradezu unrealistisch wirkt die in Schnee gehüllte Landschaft. Teils digital, teils mit Kunstflocken beschneit, will der grüne Wald nicht so recht mit dem Schneegestöber harmonisieren. Doch alles was danach kommt, darf als visuell nahezu perfekt eingestuft werden. Bis zu 25.000(!) Komparsen, 15.000 originalgetreue Kostüme und eine dementsprechend authentische Austattung sorgen für einen ausgiebigen Augenschmaus. Die Liebe zum Detail ist auch der Firma WETA-Workshop zu verdanken, haben die Neuseeländer doch schon für akribisch genau gestaltete Kettenhemden, Rüstungen und Schwerter in "Der Herr der Ringe" gesorgt.

Zwangsläufig muss sich "Königreich der Himmel" einen Vergleich mit der "Der Herr der Ringe"-Trilogie gefallen lassen, hat diese Reihe doch Maßstäbe für gewaltige Massenschlachten gesetzt. Der Stand der Technik schreitet voran, aber dieser Fortschritt macht sich in Ridley Scotts aktuellem Film nur bedingt bemerkbar. Die riesigen Armeen wirken klar und natürlich - Digitaleffekte wirken nicht als solche. Wer bei der ersten Schlacht noch denkt: "Das ist ja niedlich", wird später eines Besseren belehrt. Aber das eigentlich opulente Schlachtgetümmel mit 200.000 Beteiligten ist lange nicht so beeindruckend wie die 50.000-Mann-Schlacht in "Der Herr der Ringe". Oftmals hat man ganz einfach darauf verzichtet, eine Schlacht komplett zu zeigen. Stattdessen wird der Zuschauer vor vollendete Tatsachen gestellt. Wenn allerdings in der finalen Schlacht vor der Ehrfucht einflößenden Kulisse von Jerusalem um die 120.000 Liter Propangas abgefackelt werden, gleicht das einem Endzeitfeuerwerk.

Doch nette Festungsschlachten mit Belagerungstürmen und anderem Spielzeug machen noch keinen guten Film aus. Was die Menschen interessiert, sind die Geschichten hinter den Ereignissen. Aus dieser Sicht betrachtet, hat man von Scott & Co. schon Besseres gesehen. Nicht umsonst hat sein "Gladiator" die begehrte Oscar-Trophäe gleich mehrfach eingefahren. Doch bei "Königreich der Himmel" ist der geschichtliche Tiefgang bestenfalls mit dem eines Floßes zu vergleichen. Zwar hat man sich mit dem Thema der Kreuzzüge an die düstere Realität der christlichen Kirche gehalten, aber das war es auch schon. Wissenswerte Hintergründe und Zusammenhänge rund um die Glaubenskriege zwischen Moslems und Christen werden allenfalls gestreift, doch in Wirklichkeit ist die gesamte Handlung nur auf die Person des Schmieds und Ritters Balian fokkusiert. Balian kam sah und... Was so eigentlich in wenigen Minuten erzählt ist, wird zu einer mehr als zweistündigen Luftblase, die ihre Highlights in den erwähnten Schlachten findet, wenn sie denn mal stattfinden. Nach der ernüchternden Story sind diese leider das Einzige, worauf der Zuschauer sehnlichst wartet.

Glücklicherweise holt Orlando Bloom alias Schmied Balian sprichwörtlich das Eisen aus dem Feuer. Mit seinem Charisma überzeugt der ehemals spitzohrige Elbe Namens Legolas aus "Herr der Ringe" abermals und ist nun anscheinend nach "Fluch der Karibik" und "Troja" wieder voll in seinem Element. Etwas reifer respektive weiser kommt der Freund von Risikosportarten à la Skydiving daher und hält mit seiner wortkargen aber dennoch ausdrucksstarken Rolle die müde Story am Leben - oder den Zuschauer wach. Neben Orlando Bloom macht noch ein großer Name im Cast auf sich aufmerksam: Liam Neeson. Der Haupdarsteller aus "Schindlers Liste" erblickt in der Rolle des Gogfrey aber nur kurz das Licht der Leinwand und darf eher als Nebendarsteller abgestempelt werden.



FAZIT

Königreich der Himmel Auch wenn der deutsche Titel mit "Königreich der Himmel" zuerst für Verwirrung sorgt - der Originaltitel lautet schließlich "Kingdom Of Heaven" - macht diese Namensgebung durchaus Sinn. Letztendlich geht es um ein Reich mit verschiedenen Religionen und damit verschiedener Himmel. Bedauerlicherweise haben die Filmemacher dieses gewaltige Geschichtspotential nur unzureichend genutzt und stattdessen den Fokus auf ihrer eigenen Geschichte gehalten. Doch trotz alledem ist dieser Streifen für Freunde des sogenannten Historien-Genres ein Kinobesuch wert. Denn trotz der Schwächen im Handlungsstrang vermittelt "Königreich der Himmel" einen prachtvollen und zugleich erschreckenden Eindruck vom Glaubenskrieg und den damit verbundenen Massenschlachten.

Dort werden die brachialen Bilder mit einem einprägsamen und wuchtigen Soundttrack begleitet und erzeugen somit ein Gefühl der Faszination; ob diese positiv oder der negativ ist, wird jeder für sich selbst entscheiden. So bietet der Film letztendlich einen guten Unterhaltungswert, wobei insbesondere das Auge seine Befriedigung findet.

Von Lars Lehmann



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