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Krieg der Welten

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Original Titel
The War of the Worlds

Kinostart
29.06.2005

Genre
Science Fiction

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
UIP

Regie
Steven Spielberg

Autor
David Koepp

Laufzeit
116 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Tom Cruise
Dakota Fanning
Tim Robbins
Miranda Otto




Wie Menschen gegen Ameisen

INHALT

Krieg der Welten „Wanna see something cool?“ Nein, die elfjährige Rachel will nicht. Das Unwetter, das dort über ihr und dem Vater heraufzieht, scheint überirdische Dimensionen zu haben: furchteinflößend, nicht cool. Der erste Blitzeinschlag, irgendwo drei Straßen entfernt, ist dann so gewaltig, dass sich auch der Fragesteller, ihr Vater Ray, mit einem Satz ins Haus flüchtet. Wenige Sekunden später sitzt er zusammen mit ihr unter dem Tisch und sieht den Blitz, der doch niemals zweimal an der selben Stelle einschlägt, mehrere Dutzend Mal genau eine Stelle bombardieren, während der Sturm und das Unwetter apokalyptische Ausmaße annehmen. Und nichts anderes als die erste Posaune der Apokalypse ertönt gerade: Außerirdische, den Menschen überlegene Intelligenzen haben die Eroberung der Erde über Jahre hinweg geplant - jetzt schlagen sie los. Der Krieg der Welten hat begonnen. Ein Krieg, der wegen ungleicher Kräfteverhältnisse genauso wenig einer ist, wie es zwischen Menschen und Ameisen Krieg geben kann.

Drei dieser Ameisen begleitet der Film auf ihrer Flucht. Den geschiedenen Vater Ray (Tom Cruise) und seine zwei Kinder Rachel (Dakota Fanning) und Robbie (Justin Chatwin), die er vor der Vernichtung bewahren muss. Denn die Außerirdischen machen keine Gefangenen. Sie sammeln nur essbare Ameisen.



KRITIK

Krieg der Welten Steven Spielberg hat sich mit „Krieg der Welten“ einen 100fach rezipierten Science-Fiction-Klassiker von H. G. Wells vorgenommen, dessen epochemachende Bearbeitung kein Film ist, obwohl sie von einem großen Filmemacher stammt. Die Rede ist natürlich von Orson Welles’ New Yorker Hörspielfassung aus dem Jahr 1938. Welles hatte die Geschichte vom Vernichtungsfeldzug der Außerirdischen von England in die USA verlegt und auf sehr überzeugende Weise als einstündigen Livebericht verkleidet. Sein Hörspiel soll die fiktive Massenpanik auf den Straßen in und um New York, die im fingierten Livebericht geschildert wurde, tatsächlich ausgelöst haben.

H.G. Wells’ Roman hat aber auch eine Bedeutung, die über seine erwiesenen Effektivität als Schocker hinausgeht. Im England des Jahres 1898 funktionierte er vor dem Hintergrund einer uneingestandenen Schuld: Im Krieg der ersten gegen die dritte Welt waren zur Hochzeit des Imperialismus die anderen in der Position der Ameisen. Aber was, wenn es im intergalaktischen Maßstab umgekehrt wäre? Wer sich für den Mittelpunkt der Welt hält, erschrickt vor der kosmischen Perspektive in Wells’ Roman, aus der das kleinste Bakterium wichtiger ist als ein Weltreich. „Krieg der Welten“ wurde zum Klassiker, weil er menschliche Urängste mit aktuellen Realitäten und humanistischer Moral verband.

Im Jahr 2005 sagt Steven Spielberg: „Ich dachte mir, dass es eine gute Zeit sei, um den ‚Krieg der Welten’ allen um die Ohren zu hauen.“ Das muss aufhorchen lassen. Nach „E.T.“, „Jurassic Park“, „Minority Report“ und „A.I.“ hat sich Science-Fiction-Experte Spielberg nun also an den klassischsten aller Science-Fiction-Klassiker gewagt, mit routiniertem Team, aus dem wohl jeder Beleuchter schon mindestens an einer der genannten Spielbergfilme beteiligt war, einschließlich dem Kinokassenerfolgsgaranten Tom Cruise („Minority Report“) in der Hauptrolle und dem zweifachen Oscargewinner (für „Schindlers Liste“, „Der Soldat James Ryan“) Janusz Kaminski hinter der Kamera. Spielberg lässt die Außerirdischen natürlich nicht mehr vom Mars kommen, sondern von irgendwo weiter weg und wie schon Orson Welles verlegt er die Handlung in die USA. Die wichtigsten Gedanken von H. G. Wells behält er aber bei.

In einem einzelnen Wassertropfen spiegelt sich gleich zu Beginn des Films der ganze Kosmos, der einzelne Mensch ist darin ungeheuer wichtig und unwichtig zugleich. Das verdeutlichend und die Spannung zuspitzend konzentriert sich der Film auf die klassische Erzählvariante, in der ein Elternteil um seine Kinder kämpft. Wegen der gesellschaftlichen Aktualität und weil der Kern von jedem Spielbergfilm noch jedes Mal eine Kindheit in schwierigen Familienverhältnissen war, ist es ein geschiedener Vater. Ein Dockarbeiter, der sich nicht gerade darum reißt, Verantwortung zu übernehmen, am wenigsten für seine Kinder. Ebenfalls Spielberg-typisch sind die Kinder in vielen Dingen erwachsener als die Eltern oder, negativ formuliert: Ray ist pubertärer als sein 17-jähriger Sohn, der wiederum nicht ganz so viel altersweise Geduld mit seinem Vater aufbringt wie seine kleine Schwester Rachel. Das ist eine nicht nur auf der Flucht vor außerirdischem Dauerbeschuss sehr ergiebige Konstellation, die Cruise, Fanning und Chatwin glaubhaft verkörpern.

Da mit dem Angriff der Außerirdischen nun der Ernstfall eintritt, muss Ray die Vater-Beschützer-Rolle für seine eben doch nicht erwachsenen Kinder annehmen. Kein brillanter dramaturgischer Einfall, aber wirkungsvoll. Es läuft nun - oberflächlich betrachtet nach bewährter Blockbusterdramaturgie - auf die Frage hinaus: Wie weit würde ein Vater für seine Kinder gehen? Im Hollywoodkino natürlich eine rhetorische Frage. In Spielbergs „Krieg der Welten“ lautet die konkrete Antwort: Bis zum Mord an einem Unschuldigen und zum Selbstmordattentat gegen den Aggressor. Ganz so provokativ kriegt man es dann im Mainstreamkino meistens doch nicht serviert. Besonders die Szene in der Ray einen Mann ermordet, der aus nachvollziehbaren Gründen ein wenig den Verstand verloren hat und ihn und Rachel nun in seinem Wahnsinn verraten könnte, prägt sich ein. Rachel, die Bescheid weiß (und die nicht versucht ihn zu hindern) muss derweil im Nebenraum warten. Ray verbindet ihr – völlig sinnlos – die Augen und bittet sie, sich doch selbst das Schlaflied zu singen, was er ihr am Abend zuvor gesungen hatte: Das ist dein Papa, der Mensch, der dir Schlaflieder singt. Der Mord erweist sich als sinnlos. Die Außerirdischen finden sie trotzdem.

Kein bisschen interessiert sich Spielberg für die üblichen Klischeebilder à la Roland Emmerich, wie zerstörte Freiheitsstatue, Manhattan in Schutt und Asche, Generalsstab um eine große Landkarte gruppiert usw.. Wenn nicht von vornherein in parodistischer Absicht gebraucht werden sie meistens nur genutzt, um dumpfen Patriotismus zu erzeugen. Die große Endschlacht tobt stattdessen im abstrakten Nirgendwo, in einer Talsenke verborgen. Die Auseinandersetzung zwischen Ray, der fliehen, seine Kinder retten will und Robbie der meint kämpfen zu müssen, hat vor dieser Kulisse nichts platt Heroisches.

Krieg der Welten Spielberg filmt Alpträume: Ein Flugzeugabsturz direkt über dem Haus, in dem man Schutz gesucht hatte, eine Bahnschranke die sich vor einem schließt und vorbei rast ein brennender Zug. Der furchterregendste Alptraum: Die Menschenmasse in Panik. Man sieht die Faszination an der Katastrophe neben der Angst ums eigene Überleben, bekannte Fernsehbilder so, wie sie in unseren Alpträumen weiterleben. Immer wieder lässt Spielberg einen verzweifelten Einzelnen aus einer Masse kurz hervortreten mit irgend einer dummen, von Überlebensangst bestimmten Handlung und schnell sterben, umgebracht genauso oft von Außerirdischen wie von Menschen. Die Außerirdischen bleiben lange verborgen, sind nur durch ihre Kampfmaschinen präsent. Doch diese Maschinen wiederum erscheinen als erschreckende Mischwesen aus kalter präziser Technik und der organischen Urgewalt lebendiger Monster: hüpfender Rieseninsekten, Kraken, Riesenschlangen.

Sicher, etwas Neues wie 1938 Orson Welles mit seiner revolutionären Umsetzung im neuen Medium Radio hat Spielberg nicht zu bieten. Im Gegenteil: All die Urängste, die er bedient, sind längst konventionalisiert und nicht immer gelingt es ihm, sie so in Szene zu setzen, dass man nicht einfach denkt, in eine bessere Geisterbahn geraten zu sein. Ein Versteckspiel mit einer metallenen Riesenschlange zum Beispiel wird zunehmend albern, je länger es sich hinzieht. Auch das Aussehen der Außerirdischen selbst ist, nachdem man sie schließlich zu Gesicht bekommt, eher enttäuschend. Wenn dann aber diese dunkelgrünen Glibbermonster, für einen Augenblick im Vorbeigehen das Foto einer Menschenfamilie eingehend betrachten, ist man doch fasziniert, weil man sich wieder erinnert, für wen diese Außerirdischen schon bei H.G. Wells letztlich standen: für Menschen. Im Wassertropfen spiegelt sich der Kosmos und in der Familie spiegelt sich die Menschheit. Solange sich Eltern und Kinder lieben, so Spielberg, ist auch die Menschheit nicht ganz verloren.



FAZIT

Krieg der Welten Krieg der Welten ist nicht Steven Spielbergs neues Meisterwerk, das (mal wieder) jeder unbedingt gesehen haben muss. Krieg der Welten ist in erster Linie ein packender Science-Fiction-Schocker. Etwas mehr noch als ein B-Picture der A-Klasse ist er aber doch, weil Spielberg im Gegensatz zu vielen anderen, die vor ihm einen Angriff Außerirdischer inszenierten, die humanistischen Gedanken aus H. G. Wells’ Roman nicht verrät.



Von Martin Thoma



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