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München

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Original Titel
Munich

Kinostart
26.01.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
UIP

Regie
Steven Spielberg

Autor
Tony Kushner / Charles Randolph / Eric Roth

Laufzeit
164 Minuten

Hauptdarsteller
Eric Bana
Daniel Craig
Geoffrey Rush
Mathieu Kassovitz




Die allgegenwärtige Vergangenheit

INHALT

München Es scheint wie ein nicht enden wollender Krieg. Ein Krieg, dessen Ursprung am Anfang des vorherigen Jahrhunderts liegt und heute aktueller ist denn je. Gemessen an dieser Tatsache fasst "München" ein nahezu zeitloses Thema an, denn die Geschichte, die hier erzählt wird, liegt mehr als 30 Jahre zurück und wirkt dennoch erschreckend gegenwärtig.

In der zweiten Woche der Olympischen Sommerspiele im September 1972 in München, die unter dem Motto "Die Olympischen Spiele des Friedens und der Freude" abgehalten wurden, stürmte plötzlich eine Gruppe palästinensischer Extremisten unter dem Namen "Schwarzer September" das Olympische Dorf, ermordete zwei Mitglieder der israelischen Olympia-Mannschaft und hielt neun weitere als Geiseln gefangen. Ziel dieser Aktion war, unter anderem die Freilassung von über 200 Palästinensern aus israelischen Gefängnissen zu erzwingen. Angespannte Verhandlungen und eine hoffnungslos überforderte deutsche Polizei konnten das tragische Massaker, bei dem alle Geiseln und fünf der Geiselnehmer ums Leben kamen, nicht verhindern.

Konnten im September 1972 noch 900 Millionen Fernsehzuschauer auf der ganzen Welt Zeugen der Live-Übertragung dieses noch nie da gewesenen Terroranschlags mitverfolgen, so entzog sich der darauf folgende Rachefeldzug des israelischen Geheimdienstes deren Augen. Die exakten Umstände sind selbstverständlich schwer zu recherchieren, aber es steht fest, dass wohl ein Großteil der Drahtzieher des Attentats durch die israelische Operation zur Strecke gebracht wurde. Wie dies vonstatten gegangen sein könnte, versucht uns der Film "München" zu erzählen.



KRITIK

München Er hat uns mit der Dritten Art bekannt gemacht, lehrte uns, wie man nach Hause telefoniert, ließ uns den Schrecken des Krieges und des Holocaust erfahren und zeigte uns einen Mann, der für einige Zeit einen Flughafen sein Zuhause nennen musste. Eine ganze Generation ist mit den Filmen von Steven Spielberg aufgewachsen, dessen vollständige Liste aller seiner Werke ohne Frage mehrere DIN A4-Seiten füllt. Die Erfolgsquote in finanzieller sowie auch künstlerischer Hinsicht ist nicht minder beeindruckend, was nicht zuletzt darin begründet sein mag, dass Spielberg seinen Werken eine ganz eigene Note verleiht und uns ein bisschen an seiner Gedankenwelt teilhaben lässt.

Doch in der jüngeren Vergangenheit stießen Spielberg's Projekte des Öfteren auf Kritik und der Meister muss sich die Frage stellen, ob seine Filme wohl von Publikum wie Kritikern nicht mehr richtig verstanden werden. Ähnlich verhält es sich mit dem bereits im Vorfeld viel diskutierten "München". Was will uns der Künstler mit diesem Film sagen? In der Tat hat sich Steven Spielberg an ein heikles Thema herangetraut, dessen filmische Umsetzung auf einer umstrittenen Buchvorlage basiert. Klar ist in jedem Fall, dass bei "München" eine einfache Unterscheidung zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Böse angesichts der bis heute andauernden Streitigkeiten zwischen Palästina und Israel, schwer möglich ist. In dieser Hinsicht hatte es Spielberg mit seinem Holocaust-Drama "Schindler's Liste" mit Sicherheit einfacher.

Die Bilder der ersten Minuten des Streifens lassen kaum Zweifel an der Authentizität der Handlung zu, mischen sich hier doch original Fernsehberichte von 1972 mit nachgestellten Szenen zu einer beklemmenden Situation zusammen, die genauso nachher auch in den Geschichtsbüchern zu finden war. Doch dann beginnt das Leinwanddebakel mit dem wenig vielversprechenden Satz: "Inspired by real events". Wer hier noch an eine wahrheitsgetreue Aufarbeitung der Folgen der Geiselnahme von München glaubt, ist auf dem Holzweg. Vielmehr gerät der eigentliche Grund für die blutige Rache in Vergessenheit und der Zuschauer wähnt sich - mit Verlaub - in einem Mafia-Film à la "Der Pate". Diesem Effekt des Vergessens steuert Spielberg verkrampft mit Erinnerungsszenen verschiedener Charaktere entgegen, die im Übrigen garnicht beim Attentat dabei waren und somit auch nicht über die entsprechenden Bilder in ihren Gedanken verfügen können.

Annähernd drei Stunden dauert die Odyssee, deren Inszenierung sich irgendwo zwischen Langeweile und nervenzerreißender Spannung befindet. Der Zuschauer wird in das noch noch so kleinste Planungsdetail involviert und darf sich dabei die oft absurden Diskussionen um das Für und Wider eines Vergeltungsanschlags anhören, wobei auch die Frage geklärt wird, wie groß denn eigentlich kollateralschäden sein dürften. Doch wenn es dann einmal knallt, dann kurz, aber richtig. Wer noch nicht weiß, wo sich die versprengten Einzelteile eines Menschen nach einer Bombenexplosion überall verteilen können, darf sich durch "München" belehren lassen.

Die bedrückende Stimmung der Bilder dieses mit einer ungeheuren Perversion geführten Krieges wird zusätzlich durch einen äußerst monotonen Soundtrack unterstrichen. John Williams, der den Ruhm unter anderem seinem Star Wars-Soundtrack verdankt, lässt größtenteils eintöniges Getrommel in einer Weise wirken, die einerseits einfallslos wirkt, aber dennoch passender nicht sein könnte. Abgerundet wird dieses düstere Bild durch einen groben Filter, der ganz den alten TV-Bildern der 1970er Jahre ähnelt.



FAZIT

München Die größte Stärke des Streifens ist wohl die Besetzung und die damit verbundenen Chraktere. Ein jeder hat seine spezielle Aufgabe und seine ganz eigenen Marotten. Hulk-Darsteller Eric Baner glänzt einmal mehr mit seinen schauspielerischen Fähigkeiten und auch Moritz Bleibtreu ("Lola rennt", "Lammbock") darf einen kleinen Part übernehmen.

Steven Spielberg's "München" ist keineswegs eine Nachstellung wahrer Begebenheiten, sondern nur eine Mutmaßung der Folgen eines tatsächlich geschehenen Terrorakts im Olympischen Dorf in München. Wie sich die Ereignisse des Rachefeldzugs in allen Einzelheiten in der Realität zugetragen haben, wird indes nicht geklärt. So entstand ein mehr oder weniger spannender - als Drama getarnter - Actionfilm, der ein trauriges Vorkommnis als Alibi für eine blutige Inszenierung nutzt. Aber letztendlich vermittelt der Film dem Zuschauer dennoch erfolgreich, dass selten klare Grenzen zwischen Gut und Böse gezogen werden können und diese somit meistens verschwimmen. Die Ereignisse vom September 1972 gelten bis heute als Beginn eines neuartigen Terrors, der mittels Bombenattentaten und Geiselnahmen durch Terroristen aller Herren Länder betrieben wird und einen nicht enden wollenden Teufelskreis der Gewalt und der gegenseitigen Rache in sich birgt.

Einige Minuten vor dem Abspann fokussiert sich die Kamera auf ein Objekt und lässt es nicht mehr los. Es soll jedem zeigen, dass unsere Probleme - ob in Nahost oder anderswo - aktueller sind denn je: Wir sehen in einiger Entfernung die Türme des World Trade Centers.

Von Lars Lehmann



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