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Spiel auf Sieg

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Original Titel
Glory Road

Kinostart
06.04.2006

Genre
Drama

Erscheinungsjahr
2005

Land
USA

Verleih
Buena Vista

Regie
James Gartner

Autor
Christopher Cleveland / Bettina Gilois

Laufzeit
117 Minuten

Hauptdarsteller
Josh Lucas
Derek Luke
Austin Nichols
Jon Voight




Farbenblind in den 60ern

INHALT

Spiel auf Sieg Für Basketball Trainer Don Haskins zählt allein der Sieg. Siegen mit Mut, Herz und unbedingtem Willen, selbst wenn alle Vorzeichen gegen den Erfolg sprechen. Er ahnt nicht, dass er Sportgeschichte schreiben wird, als er 1961 die Texas Western Miners – ein bis dahin unbedeutendes College-Team – als Trainer übernimmt. Denn darüber hinaus werden seine unglaublichen Erfolge auch den Basketball und die amerikanische Kultur verändern und nicht zuletzt auch sein Leben und das seiner Spieler.

Das Sportabenteuer erzählt die wahre Geschichte eines Basketballtrainers, der 1966 mit einem Team schwarzer Spieler bei dem Finale der NCAA-Meisterschaften antritt. Hasksins geht es allein um den sportlichen Sieg. Doch gleichzeitig trug sein Erfolg dazu bei, die Rassentrennung zu bekämpfen, da sein Team unter den Augen der Öffentlichkeit das Einzige tat, was es konnte: Sich das Herz aus dem Leib zu spielen.



KRITIK

Spiel auf Sieg Es gibt Ereignisse, die Geschichte schreiben ohne dass es jemand bemerkt. Für Produzent Jerry Bruckheimer ist das Finale der amerikanischen College-Meisterschaften im Basketball von 1966 ein solches Ereignis. Don Haskins, der Coach des Außenseiters West Texas Miners, stellte zum ersten Mal in der Basketball-Geschichte eine Mannschaft auf, deren Anfangsformation aus fünf schwarzen Spielern bestand, und veränderte damit nachhaltig die amerikanische Sport-Landschaft. Zu jener Zeit spielten zwar auch einige "Negros" (wie die Sport-Kommentatoren sie nannten) in den erfolgreichen weißen Teams, verbrachten aber die meiste Zeit auf der Bank und mussten sich anhören, dass sie zwar ganz gut Körbe werfen könnten, aber keinerlei Spielintelligenz und Taktikverständnis besäßen. Das änderte sich nach dem legendären Finale von 1966 langsam. Einer der damaligen Spieler sagt heute: "Wir haben nicht alle Türen aufgebrochen, aber sicherlich einige geöffnet." Dafür wurde Don Haskins als Trainer der damaligen Mannschaft 1997 in die Hall of Fame der amerikanischen Basketball-Liga aufgenommen.

Diesen für den heutigen Basketball wichtigen Hintergrund wollte Bruckheimer schon immer bekannt machen und bringt mit "Spiel auf Sieg" nun die Geschichte von Don Haskins ins Kino. Hinter der Kamera gibt James Gartner sein Regie-Debut, mit dem Bruckheimer aufgrund einer erfolgreichen Karriere als Werbefilmer schon lange zusammenarbeiten wollte. Bruckheimer und Gartner legen den Schwerpunkt des Films leider nicht auf die gesellschaftliche Ausgangssituation des Ereignis’ und deren Folgen, sondern konzentrieren sich auf den Weg der West Texas Miners zum Finale 1966. So entsteht im Endeffekt ein weiterer Sport-Film, dessen Geschichte man schon zu kennen glaubt – mit dem Unterschied, dass die Story auf einer wahren Begebenheit beruht und der Film sich nebenbei mit der 1966 offen rassistischen Öffentlichkeit in den USA auseinandersetzt. Das Interessante an "Spiel auf Sieg" ist die Hauptperson, Coach Don Haskins (Josh Lucas). Als er sein Team für die Saison zusammenstellt, ist er weder Rassist noch leidenschaftlicher Verfechter der Gleichberechtigung. Vielmehr macht er den Erfolg zum alles übergeordneten Ziel und will einfach das bestmögliche Team aufstellen. Durch den Verlauf der Saison, durch die Schwierigkeiten, die diese überwiegend aus farbigen Spielern bestehenden West Texas Miners bekommen und die mehrfachen rassistischen Übergriffe wird Haskins langsam politisiert und entscheidet sich schließlich in der Nacht vor dem großen Finale dafür, eine rein schwarze Startaufstellung aufzufahren.

Spiel auf Sieg Diese interessante Konstellation ist leider nur Beiwerk in dem ansonsten sehr typischen Sportfilm-Spannungsbogen. Coach Don Haskins bringt seinen von der Straße geholten Spielern erstmal ordentlich Disziplin und Respekt bei, unsere Helden gewinnen und verlieren Spiele, die meistens erst in der letzten Sekunde entschieden werden, und natürlich verliebt sich einer der Stars auch noch in eine Kellnerin aus El Paso (Tatyana Ali). Das und die zwischendurch eingestreute fast slapstickartige Komik führen dazu, dass "Spiel auf Sieg" sich zwischen Sportfilm, Komödie und Gesellschaftsporträt verliert. Im Gegensatz zu anderen Vertretern des Genres haben die Figuren der einzelnen Spieler hier zu wenig Möglichkeiten sich ins Gedächtnis der Zuschauer einzuprägen, die Charakterzeichnungen bleiben skizzenhaft. Ferner wäre es schön gewesen, die Macher hätten sich noch mehr an den wahren Hintergrund gehalten, dann wären uns Peinlichkeiten wie die zurückgenommene Schiedsrichter-Entscheidung aufgrund eines Fußabdrucks oder haufenweise Alley-Oops erspart geblieben.

Was positiv im Gedächtnis haften bleibt, sind die atmosphärisch glaubwürdige Darstellung der 60er Jahre, die teilweise sehr spannend gefilmten Basketball-Spiele und der leichte Soundtrack, eine Mischung aus Sixties-Jazz und neuen Aufnahmen von Alicia Keys. Die größte Stärke von "Spiel auf Zeit" sind jedoch die Darsteller. Josh Lucas ("Sweet Home Alabama", "A Beautiful Mind") stellt Erfolgscoach Haskins überaus facettenreich dar: Die Zielstrebigkeit beim Training, die Nervosität am Spielfeldrand, das Verständnis für seine Spieler – das alles nimmt man Lucas ohne zu zögern ab. Auch die Spieler der West Texas Miners sind durchweg hervorragend besetzt – als bekanntester Darsteller ist Derek Luke ("Antwone Fisher", "Pieces of April") in der Rolle des Bobby Joe Hill zu nennen. Auch Hollywood-Altstar Jon Voight stellt als Adolph Rupp, zwiespältiger Coach der übermächtigen Kentucky Wildcats, mal wieder sein Können unter Beweis – bis heute ist unklar, welche Rolle Rupp in der rassistschen Basketball-Landschaft der 60er Jahre spielte. Voight und Lucas spielen ihre Trainerrollen so überzeugend, dass man sich als Zuschauer nach dem Film mehr an sie als an die Spieler erinnert. Hier hätte das Script für einen Ausgleich sorgen müssen – und den dabei eventuell verloren gehenden Nebensträngen hätte niemand nachgetrauert.



FAZIT

Spiel auf Sieg Böse könnte man "Spiel auf Sieg" als "Coach Carter" mit politischem Hintergrund beschreiben. Die Verfilmung der Geschichte von Basketball-Coach Don Haskins ist gelungen, vergibt aber viele Chancen, noch mehr aus dem Stoff herauszuholen. So bleibt ein weiteres Sport-Movie mit stark inszenierten Basketball-Szenen und hervorragenden Schauspielern. Wer dagegen einen differenzierten und realistischen Film über die ganze Geschichte der West Texas Miners erwartet, wird sich noch gedulden müssen. "Spiel auf Sieg" ist es leider nicht geworden.

Von Till Kadritzke



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