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Stage Beauty

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Kinostart
29.09.2005

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2005

Land
GB/ D

Verleih
Senator

Regie
Richard Eyre

Autor
Jeffrey Hatcher

Laufzeit
109 Minuten

FSK
ab 12 Jahren

Hauptdarsteller
Billy Crudup
Claire Danes
Rupert Everett
Tom Wilkinson




Die sterbende Schönheit

INHALT

Stage Beauty Die schönste Frau Englands ist ein Mann. In den 60er Jahren des 17. Jahrhunderts war das eine mehrheitsfähige Ansicht. Die schönste Frau, zumindest im Theater dieser Zeit, war ein Mann und hieß Ned Kynaston. Allerdings hatte er auch ausschließlich männliche Konkurrentinnen, denn Frauen durften nicht auf die Bühne. Vor der Rückkehr Karls II. auf den englischen Thron war in der stark puritanisch geprägten Republik unter Oliver Cromwell das "sittenverderbende" Theater sogar ganz verboten. Doch Karl dessen eigener Lebenswandel, soweit man das heute beurteilen kann, der puritanischen Moral ohnehin spottete, hob das Theaterverbot wieder auf. Gut für das ruhmreiche englische Theater. Dumm nur für die travestiegeschulten Schauspieler, dass der in dieser Hinsicht liberale Monarch schließlich auch das Auftrittsverbot für Frauen aufhob. Richtig schlimm für die Spezialisten unter ihnen, dass er nur wenig später – dann wieder doch nicht so liberal – den Männern verbot, Frauenrollen zu spielen. Denn plötzlich, so zumindest die offizielle Begründung, galten nicht mehr Frauen auf der Bühne als anstößig, sondern Männer in Frauenkostümen. Ned Kynaston war keine von Bewunderern beiderlei Geschlechts angehimmelte Diva mehr. Die neue Diva des englischen Theaters hieß Margaret Hughes.

Soviel zu den historischen Fakten. "Stage Beauty" erzählt die Geschichte von Ned und Margaret als historisch-romantisches Lustspiel mit (sexuellen) Identitäten. Ned spielt am erfolgreichsten die Desdemona in Shakespeares "Othello". Unzufrieden ist er nur mit seiner Todesszene. Es will ihm einfach nicht gelingen, in vollendeter Schönheit zu sterben. Ned ist eine Bilderbuchdiva: Arrogant, intelligent, selbstverliebt und schlagfertig. Der Duke of Buckingham ist sein (oder ihr) Liebhaber, was aber nicht bedeutet, dass Ned weiblichen Groupies gänzlich abgeneigt wäre. Oder seiner Garderobiere Maria. Maria liebt das Theater und noch mehr liebt sie Ned. Viel mehr natürlich, als der Egozentriker bemerken könnte. Sie imitiert jede seiner Bewegungen auf der Bühne und tritt heimlich bei illegalen Theateraufführungen in Kneipen auf. Unter dem Künstlernamen Margaret Hughes.

Dann kommen die königlichen Beschlüsse, Margaret/Maria ist ein Star und Ned, der einen "richtigen Mann" nicht einmal spielen kann, ist nicht nur beruflich am gar nicht schönen Ende. Ironie des Drehbuch-Schicksals, dass ausgerechnet Maria dafür verantwortlich ist. Aber keine Sorge die beiden finden auf der Bühne wieder zusammen – in Shakespeares "Othello". Ned ist diesmal Othello, ein Othello, dem die Stimme in weibliche Tonlagen verrutscht und Maria ist eine Desdemona, die sich weigert, in Schönheit zu sterben. Und beide sind es so echt, dass nicht nur die Figuren im Film, um Marias Leben fürchten.



KRITIK

Stage Beauty Richard Eyre, Direktor am Londoner Royal National Theatre und auch als Filmregisseur ("Iris") erfolgreich, inszeniert mit "Stage Beauty" eine Bühnenarbeit von Jeffrey Hatcher, die dieser selbst fürs Kino adaptierte, ein opulentes Rollenspiel, bei dem verschiedene Identitäten (nicht nur sexuelle) zu verschiedenen gesellschaftlichen Anlässen und Situationen und austauschbare Moralvorstellungen durcheinander wirbeln. Theater ist unmoralisch – Frauen auf der Bühne sind unmoralisch – Männer als Frauen auf der Bühne sind unmoralisch –, die Gründe dafür, welche Moral gerade opportun erscheint, sind denkbar lächerlich und was Adel oder einfaches Volk außerhalb der Reichweite der Sittenwächter treiben, steht sowieso auf einem anderen Blatt. Diese absurde historische Ausgangslage ist eine Steilvorlage für die Komödie, die Eyre und Hatcher souverän verwandeln. Mit einer einzigen Identität kommt hier kaum einer aus. Der Kostümfilm ist das ideale Medium dafür, weil uns aus heutiger Sicht das (hier selbstverständlich mit viel britischem Humor persiflierte) Gebaren des Adels wie eine Travestie vorkommt, die durch die Bühne im Film nur noch einmal gedoppelt wird. Einzelne historische Unkorrektheiten nimmt Eyre zugunsten seines virtuosen Spiels in kauf und gewinnt dabei. Selbstverständlich lässt er auch die Gelegenheit nicht aus (wie schon David Lynch in seinem altmeisterlichen "Mulholland Drive" mit der grandiosen Naomi Watts), eine Szene unter veränderten Vorzeichen auf völlig andere Weise ein zweites Mal spielen zu lassen. Abgesehen davon, dass so scheinbar eindeutige Realitäten infrage gestellt werden, gibt das auch den Schauspielern die Möglichkeit, mit ihrem ganzen Können mal so richtig anzugeben.

Billy Crudup ("Almost Famous", "Big Fish") und Claire Danes (war die Julia in Baz Luhrmanns "William Shakespeares Romeo und Julia”, und beeindruckte auch neben Joaquin Phoenix in Thomas Vinterbergs insgesamt leider misslungenem "It’s All About Love”) sind als Ned und Maria so mitreißend, dass sie solch ein demonstratives Zurschaustellen ihres Talents noch nicht einmal nötig hätten. Crudup bewältigt seine Identitätswechsel von Frau zu Mann, von Schauspielerschauspieler zu Schauspieler so leicht, als wäre es nichts und sieht dabei immer sehr gut und saucool aus, ohne die Verletzlichkeit seiner Figur zu verdecken. Danes gibt Maria die umwerfende Energie, die sie benötigt, um das Theater und Ned zugleich lieben zu können. Als Filmpaar sind die beiden alles andere als lau. Das dürften sie auch allein schon deshalb nicht sein, weil sie sonst neben ihren Nebenfiguren untergehen würden. Die nämlich, allen voran Rupert Everett als Karl II., sind äußerst skurril, werden aber nie der Lächerlichkeit preisgegeben und an den puren Klamauk verraten, sondern bleiben als Charaktere erkennbar.

Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass der Soundtrack dieses Films mal zur Abwechslung einer ist, der nicht nervt und Ausrüstung und Kulissen bis in die Details gefallen. Ach ja, und die Dialoge: Sind natürlich klasse. Sonst wäre alles andere auch nichts wert.

Stage Beauty Zwei Einwände gegen "Stage Beauty" aus entgegengesetzten Richtungen sind vorhersehbar. Einwand 1 wird sich ungefähr so artikulieren: "Öarh Scheißschwuchteln, ey!", allerdings nicht in der Medienöffentlichkeit, was nicht wirklich zu bedauern ist. Einwand 2 wird in etwa lauten, dass es in "Stage Beauty" am Ende auf die Bekehrung eines Homos zu einem Hetero hinauslaufe. Vergesst auch den zweiten Einwand. Wer ihn äußert, hat die Komplexität des Films nicht erfasst und kann daher auch seine Leichtigkeit nicht bewundern.



FAZIT

Schnell und hell. Eine der besten Komödien des Jahres. Nicht verpassen!

(Martin Thoma)

Von Martin Thoma



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