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Vom Suchen und Finden der Liebe

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Kinostart
27.01.2005

Genre
Romantische Komödie

Erscheinungsjahr
2004

Land
D

Verleih
Constantin

Regie
Helmut Dietl

Autor
Helmut Dietl / Patrick Süskind

Laufzeit
107 Minuten

FSK
ab 6 Jahren

Hauptdarsteller
Moritz Bleibtreu
Alexandra Maria Lara
Uwe Ochsenknecht
Anke Engelke
Heino Ferch




Von Sternchen und anderen Vögeln

INHALT

Mimi NachtigalSieben verflixte Jahre ist es nun her, als sich Mimi Nachtigal (Moritz Bleibtreu) und Venus Morgenstern (Alexandra Maria Lara) in einer regnerischen Nacht auf einer Brücke in Berlin kennen lernten. Im Glauben, die Liebe des Lebens gefunden zu haben, verbrachten die Turteltauben Tag und Nacht miteinander. Fand jedoch Mimi früher Sternchens Art, die Gabel zu halten, unglaublich süß, so nervt ihn jetzt allein die Betonung, mit der sie seine Lieder zum Besten gibt. Inzwischen scheint nämlich der Glanz der großen Liebe verblichen zu sein - übrig allein blieb der Grundanstrich, eine Zweckgemeinschaft. Denn Mimi, seines Zeichens Produzent für Schnulzensongs, versorgt Venus regelmäßig mit neuem Material, das der Sängerin einen beachtlichen Erfolg einbringt.

Doch ausgerechnet bei einer Preisverleihung kommt es zum Eklat, die Trennung wird unbeabsichtigt in aller Öffentlichkeit vollzogen. Auf beiden Seiten fließen Tränen, passend zu Venus' aktuellem Hit: "Wohin geht die Liebe, wenn sie geht?". Die Menschen gehen verschiedene Wege, um mit einer Trennung fertig zu werden. Mimi nimmt sich das Leben und Venus lässt sich von einem neuen Freund trösten. Wahre Liebe aber, geht über den Tod hinaus. Das haben auch die Geschiedenen bemerkt, wenn auch etwas zu spät - Mimi im Jenseits und Venus im irdischen Diesseits. Wird sich also Mimi aus den liebestollen Fängen des Gottes Hermes Aphroditos (Heino Ferch) befreien können oder wird Venus ihrem Geliebten in den Tod folgen, um für immer mit ihm zusammen zu sein? Warten wir es ab.



KRITIK

Venus MorgensternLiebe macht blöd; eine These, deren Aussage erst nach dem Besuch von Helmut Dietls neuestem Streich belegt wird. Der Erfolgsregisseur von "Rossini - oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief" und "Late Show" lässt nun mit "Vom Suchen und Finden der Liebe" wieder eine seiner berühmten Satiren auf die Gesellschaft los. Dieses Mal muss die Liebe als Untersuchungsgegenstand herhalten und so einiges aushalten. Mit viel Witz, Ironie und einem Schuss Melancholie erfahren wir von der Einfachheit, die Liebe zu suchen. Sie zu finden, scheint da schon weitaus komplizierter. Sie zu halten, auch über die Schmetterlingsphase hinaus, gilt als Glücksfall.

Wie so oft im wahren Leben, scheitert auch die Beziehung der Protagonisten an geradezu lächerlichen Banalitäten - ganz nach dem Motto: "Schatz Du hast schon wieder vergessen, die Zahnpasta zu zumachen". Die einst so großen Gefühle verschwinden in der Alltagswelt und weichen der Gewohnheit - der Gewohnheit aneinander. Die Unfähigkeit, miteinander zu kommunizieren, bricht der trauten Zweisamkeit letztendlich das Genick. Wenn sich Mimi Nachtigal und Venus Morgenstern nach ihrer Trennung am Berliner Gendarmenmarkt treffen, ist ihr Dialog nicht Symptom, sondern Ursache für die Erkrankung ihrer Beziehung. Sie reden den größten Unsinn daher - und am Wesentlichen vorbei; die wahren Gefühle bleiben tief versteckt hinter einer Fassade falschen Stolzes.

Doch Dietl wäre seiner nicht gerecht geworden, hätte er den beiden Unglücklichen nicht noch eine zweite, eine letzte Chance eingeräumt. Eine so drastische Prüfung wie der Tod ist in dieser Stilisierung von Nöten und zeigt: Erst in schweren Zeiten offenbart sich die wahre Liebe. Dass diese aber ebenso unmöglich zu erzwingen ist, vermittelt der Film mit verspieltem Ernst, anhand des mehrgeschlechtlichen Gottes Hermes Aphroditos. Ohne in die Travestie-Schiene abzudriften, hat der mit einem üppigen Busen ausgestatte Hermes den Wunsch, zu lieben und geliebt zu werden. Zur Freude des Publikums hat Aphroditos, alias Heino Ferch - der dank seines neuen Dekolletés an die sechs Stunden in der Maske verbringen durfte - so einige Schwierigkeiten, mit seiner Bi- oder gar Tri-Sexualität bei Mimi zu landen.

GeruchsprobeLaut eigener Aussage blieb, trotz des göttlichen Anblicks, das Verhältnis zwischen Heino Ferch und Moritz Bleibtreu absolut professionell. Wer Bleibtreu kennt, erwartet auch nichts anderes. Mit beflissener Lockerheit, die gerne an Bleibtreus Paraderolle in "Lammbock" erinnert, mimt er den melancholischen Romantiker, der sich eindeutig zu viel auf seine Gefühlswelt konzentriert. Nicht anders ist es mit dem Part von Alexandra Maria Lara, die sich in letzter Zeit in einem Kinofilm nach dem anderen präsentiert, bestellt. Sind Laras schauspielerischen Qualitäten nicht anzuzweifeln, machen sich hin und wieder ihre gesanglichen Schwächen im Soundtrack bemerkbar. Paradoxerweise fällt dieser Mangel nicht wirklich ins Gewicht, komplettiert er doch die Geschichte von einer Welt, die nicht einmal annähernd perfekt ist. Vielmehr wirken die Gesangseinlagen der gebürtigen Rumänin von Grund auf ehrlich und wirken dem gewollt schnulzigen Stil entgegen.

Weit entfernt von Kitsch präsentieren sich Anke Engelke und Uwe Ochsenknecht als durchorganisiertes Ehepaar, dass den Begriff "Romantik" noch nicht einmal im Wörterbuch findet. Besonders Ochsenknecht stellt ein Highlight mit seiner unglaublich trockenen Art dar, die mit ihrer Ernsthaftigkeit schon wieder lustig ist. Wenn er also auf der Leinwand erscheint, ist das schon ein Garant für den nächsten Schmunzler. Anke Engelke, deren Repertoire weit über die normale Comedy-Schiene hinaus reicht, weiß als vollwertige Schauspielerin zu überzeugen. Dass Engelke und Lara im Film des Öfteren barbusig daherkommen, soll also nicht der beste Grund für einen Kinobesuch sein.

Aber auch die digitalen Effekte - in Hollywood schon bei kleinen Produktionen Standard, aber in Deutschland noch immer selten - laden mit bewegenden und kontrastreichen Bildern zum Hingucken ein. Insbesondere das Jenseits entführt in eine Fantasy-Welt und gibt dem Streifen damit schon fast eine Daseinsberechtigung in der Kategorie "Märchenfilm". Ferner unterstreicht die Wahl eines Erzählers diesen Eindruck und verleiht dem sonst so innovativen Werk einen etwas angestaubten Schleier. Die typisch deutschen Spuren lassen sich nicht verleugnen.



FAZIT

im Jenseits mit HermesSo ist "Vom Suchen und Finden der Liebe" abermals ein typisch deutscher Film, der jedoch dank frischer Ideen nur noch manchmal die altbekannten Klischees bedient. Den durchaus tiefgründigen Dialogen, die erst bei genauerem Hinhören als solche erscheinen, stehen ausdrucksstarke Bilder gegenüber, wie man sie schon von "Rossini" her kennt. Eine besondere Art des Humors vereint mit poetischer Ironie zaubert in regelmäßigen Abständen ein Lächeln auf die Lippen, doch der große Lacher bleibt aus. Das tut dem Vergnügen jedoch keinen Abbruch, wurde doch nur das Genre "Romantische Komödie" falsch gewählt. Vielmehr handelt es sich um ein humoristisches Drama - eine Liebestragödie, verpackt mit Elementen aus Schnulze, Komödie, Romantik und Fantasy. Ein Kitschalarm bleibt aber weitestgehend aus, bekommen doch Handlung und Dialoge noch im richtigen Moment die Kurve, um nicht ins Alberne zu verfallen. Damit führt "Vom Suchen und Finden der Liebe" nach den Erfolgen der letztjährigen "Heimatfilme" die Tradition fort, dem deutschen Kino den Zuspruch des Publikums zu ermöglichen, den es mittlerweile verdient.

Von Lars Lehmann



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