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Wer früher stirbt, ist länger tot

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Kinostart
17.08.2006

Genre
Komödie

Erscheinungsjahr
2006

Land
D

Verleih
Movienet

Regie
Marcus H. Rosenmüller

Autor
Marcus H. Rosenmüller/ Christian Lerch

FSK
ab 6 Jahren

Hauptdarsteller
Markus Krojer
Fritz Karl
Jule Ronstedt
Jürgen Tonkel




Am Stammtisch

INHALT

Wer früher stirbt, ist länger tot Als der 11jährige Sebastian zufällig erfährt, dass seine Mutter bei seiner Geburt gestorben ist, beginnen sich die Ereignisse zu überschlagen. Sebastian, der ein für sein Alter beeindruckendes Sündenregister vorzuweisen hat, fühlt sich fortan auch schuldig am Tod seiner Mutter. Da er, wie er meint, nach seinem Tode auf jeden Fall im Fegefeuer landen wird, setzt er alles daran, entweder unsterblich zu werden, oder sich von seinen Sünden reinzuwaschen. Die Stammtischler (Hans Schuler, Sepp Schauer, Heinz-Josef Braun) in der Wirtschaft seines Vaters stehen ihm dabei mit freundschaftlichem Rat zur Seite. Sebastians Übereifer führt jedoch nicht zum gewünschten Erfolg: ein gesprengter Hase, ein unsittlicher Antrag an seine Lehrerin Veronika (Jule Ronstedt), eine beinahe zu Tode gebrachte Greisin aus der Nachbarschaft – das alles verbessert die Situation nicht gerade.

Erst der Radiomoderator Alfred (Jürgen Tonkel) bringt Sebastian auf die zündende Idee: Unsterblich machen kann ihn die Musik! Und auch von seiner Mutter meint Sebastian ein Zeichen erhalten zu haben: Um seine Sünden abzuarbeiten, muss für seinen Vater eine neue Frau finden. Das findet auch der Stammtisch: „Eine mit G’schick, Grips und einem g’scheiten Arsch!“. Diese Attribute scheint die alleinstehende Nachbarin Frau Kramer (Saskia Vester) zu erfüllen, die Sebastian fortan allerliebst und wohlerzogen becirct und auf die Nöte seines Vaters hinweist. Lorenz allerdings reagiert eher genervt auf die bald einsetzenden Besuche der redseligen Frau Kramer.



KRITIK

Wer früher stirbt, ist länger tot Zugegeben: An einigen Stellen wären Untertitel nicht schlecht gewesen, insgesamt versteht man das Bayerisch als „Hochdeutscher“ aber erstaunlich gut. Möglicherweise hat Regisseur Marcus Hausham Rosenmüller die Darsteller in seinem Kino-Debut „Wer früher stirbt, ist länger tot“ dazu angehalten, nicht zu sehr in ihren Dialekt zu verfallen. Dafür sei ihm gedankt und Respekt sollte dem Filmemacher auch gezollt werden: Denn Rosenmüller hat eine „Sommerkomödie“ geschaffen, die Potenzial für deutlich mehr besitzt und insgesamt wirklich gelungen ist.

Einen sehr großen Anteil am positiven Gesamteindruck hat der junge Hauptdarsteller Markus Krojer, der den elfjährigen Sebastian mimt. Sebastian stellt seine Fragen an Gott und die Welt mit einer rührenden Naivität und weiß mit vielen Antworten, die er bekommt, nicht wirklich etwas anzufangen. Vielmehr nimmt er jede Aussage viel zu ernst, fühlt sich verantwortlich für den Tod seiner Mutter, die bei seiner Geburt gestorben ist, und sucht schließlich nach einer Methode unsterblich zu werden. Diese Suche sorgt zwar auf der einen Seite für eine Menge komischer Szenen, offenbart aber auch die nachdenkliche Ebene des Films und zeigt, dass eine Kindheit in der bayerischen Provinz ohne Mutter, also ein Aufwachsen am Stammtisch, nicht gerade das einfachste ist.

Sebastian wird gequält durch vermeintliche Zeichen seiner toten Mutter und durch die Proben zu einem Theaterstück, das im Wirtshaus seines Vaters aufgeführt werden soll und das ihn bis in seine Träume über das jüngste Gericht verfolgt. Mit einer ähnlichen Naivität macht Sebastian erste Erfahrungen mit dem Thema Sexualität, der Charme des Films in diesen Szenen erinnert an Miranda July’s wunderbaren „Me and You and Everyone We Know“. Rosenmüller gelingt über weite Strecken die Mischung aus Komik und Tragik, eine Herausforderung, an der schon viele deutsche Produktionen scheiterten.

Trotz seiner nachdenklichen Momente wird „Wer früher stirbst, ist länger tot“ als „Sommerkomödie“ beworben und kann als solche auch überzeugen. Der Film kommt zwar nicht ohne bayerischen Stammtisch-Humor aus, begeistert aber immer wieder durch eine Situationskomik, die man in den letzten Hollywood-Produktionen dieses Genres vermisst hat. Schade, dass Rosenmüller zwischendurch immer wieder unglaubwürdige Situationen und billigen Slapstick einbaut, der nicht zum Rest des Films passt. Über dieses Manko lässt sich aber hinwegsehen, denn insgesamt kann man mit dieser bayerischen Produktion jede Menge Spaß haben – sicherlich mehr, als es so mancher Kinogänger erwarten würde.

FAZIT

Wer früher stirbt, ist länger tot Nicht nur im Titel des Films beweist Regisseur und Drehbuchautor Rosenmüller seine Originalität: „Wer früher stirbt, ist länger tot“ überzeugt durch das elegant konstruierte Drehbuch, originelle Situationskomik und überzeugende Leistungen der (meist sehr jungen) Darsteller. Trotz einiger unpassender Szenen lässt sich ein deutscher Film mal wieder empfehlen, auch wenn der in den übrigen Teilen Deutschlands eher unbeliebte Dialekt im ersten Moment abschrecken mag. Wer sich auf den Film einlässt, wird möglicherweise positiv überrascht.

Von Till Kadritzke



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