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HE-AAC: Das Ende der Zweiklassengesellschaft im Webradio

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20.08.2005 | Von Dirk Bösel

Unter den Freunden des Internetradios herrscht eine Zweiklassengesellschaft. Internetnutzern mit Breitbandanschluss offenbart sich ein schier unüberschaubares Angebot an Radiostationen, die in hoher Qualität senden und besten Sound über den virtuellen Äther jagen. Für Haushalte mit Modem oder ISDN-Anschluss sind solche "Streams", die zum Beispiel das MP3-Format und Bitraten von 128 kbit/s verwenden, absolut unerreichbar. Doch auch DSL-Dauerhörer mit Volumenbegrenzung kommen unter Umständen in Tarifnöte.

Zum Abgewöhnen: Webradio per Modem

Als lebe man im Funkloch, bleiben nur der Verzicht oder alternative "LoFi"-Streams mit sehr geringen Bitraten übrig, sei es MP3, Qicktime, RealAudio oder Windows Media. Dumpfer Garagensound, zischelnde Sprache oder nerviges Hintergrundglucksen sind typische Begleiterscheinungen. Nebenher surfen oder einen Download tätigen wird mit Aussetzern quittiert.

Moderne Audiocodecs schaffen Abhilfe

Ordentliche Klangqualität auch bei 32 oder 48 kbit/s zu erzeugen, lautet die Herausforderung. Ein Ansatz war das Anfang 2001 von Thomson, dem Fraunhofer IIS und Coding Technologies präsentierte Mp3PRO. Das für niedrige Bitraten optimierte MP3-Format ist eine Kombination aus MP3 und der SBR-Technologie. SBR ergänzt MP3 Dateien beim Kodieren mit Informationen, aus denen beim Abspielen hohe Frequenzanteile rekonstruiert werden. Sie sind zwar nicht mehr identisch mit dem Original, klingen aber ähnlich und führen dadurch zum gewünschten positiven Höreffekt.
Der Durchbruch beim Webradio war mp3PRO bislang aber nicht beschert. Nur sehr wenige Computerbesitzer verwenden geeignete Abspielprogramme. Selbst Winamp profitiert nur durch ein zusätzliches Plugin von den Klangvorteilen der mp3PRO-Streams.

Was mp3PRO bislang nicht schaffte, das könnte MPEG-4 High Efficiency Advanced Audio Coding, oft als HE-AAC oder aacPlus bezeichnet, gelingen. Hier dient das moderne und vielseitige Audioformat AAC als Grundlage. AAC wird zum Beispiel von Apples Itunes Music Store, real Music Store oder Radio@AOL verwendet. Auch bei HE-AAC wird AAC mit SBR gepaart. In den neuesten Versionen kommt zudem Parametric Stereo hinzu (HE-AAC v2). Das Verfahren komprimiert Stereosignale besonders effizient.
Das Resultat: auch bei sehr geringen Bitraten von 24 oder 32 kbit/s gibt es sehr ordentlichen Stereo-Sound zu hören. Schon im Sommer 2004 lag eine HE-AAC Version von Ahead (Nero Digital) im 32 kbit/s-Hörtest vorne.

Radioportal für aacPlus: Tuner2

Ein Radioportal, dass sich ganz auf MPEG-4 aacPlus (so bezeichnet Coding Technologies MPEG-4 High Efficiency AAC) spezialisiert hat, ist Tuner2.
Vorbei ist es mit der Zweiklassengesellschaft. Auf Tuner2 werden zahlreiche Radiostationen präsentiert, die ihr Programm mit niedrigen Bitraten in aacPlus senden und damit auch ISDN oder Modem-Nutzern im Webradio ganz neue Klangwelten eröffnen. Eine bunte Senderauswahl bedient fast jeden Musikgeschmack. Aber natürlich kommt das redaktionelle Angebot auf Tuner2 nicht an die von SHOUTcast gewohnte Vielfalt heran, wo sich jeder Hobby- und Testsender finden lässt.
Zudem dürfte sich aacPlus bei den Freizeit und Hobby-DJ's im Web nicht so schlagartig und massenhaft durchsetzen wie die MP3-Radios, da es an kostenloser aacPlus-Software fehlt.
Der Hörer hat es da leichter. Winamp ab Version 5.08 hat alles für den Empfang der aacPlus-Streams mit an Bord. [Update 8.9.05: Das SHOUTcast DSP-Plugin 1.9 sendet nun auf Wunsch auch mit aacPlus. Dies dürfte erheblich zur Etablierung des Codecs im Webradio beitragen.]

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Eine sehr effiziente Audiokompression und Eigenschaften wie die Unterstützung von digitalem Rechtemanagement oder Mehrkanalton machen HE-AAC für zahlreiche Anwendungen interessant und dürften für eine steigende Verbreitung sorgen. Schon heute können sich einige Handybesitzer unterwegs Titel auf ihr Mobiltelefon laden. Bei der DVD-Audio ist HE-AAC der standardisierte Codec für die "Compressed Zone", auf der die Titel fertig komprimiert und mit Rechtmanagement gespeichert werden können (z.B. für tragbare Player). Für hochkomprimierten Videos bietet sich HE-AAC förmlich als Audiocodec an. Und auch bei Digital Radio Mondiale (DRM), einem weltweiten Standard für terrestrisch ausgestrahltes digitales Radio, hat HE-AAC Einzug gefunden.

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Re: HE-AAC: Das Ende der Zweiklassengesellschaft im Webradio (Nepomuk, 30.08.05 10:27)

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